Das Erdbeben ist unter den Traumbildern besonders, weil es das eine nimmt, was kein anderes antastet: den Boden. Ein Hochwasser lässt sich abwarten, vor einem Sturm kann man sich unterstellen, hier versagt der Untergrund selbst.

Traumbild Was die alten Bücher lasen Quelle
Die Erde bebt unter dir Bewegung in den Lebensverhältnissen; „Veränderung in Deinen Verhältnissen“ Artemidor / Egyptisches Traumbuch
Ein Riss im Boden Erdspalten häuften Leid, für Reisende und Schuldner aber Befreiung Artemidor

Was bedeutet es, von einem Erdbeben zu träumen?

Artemidor von Daldis schrieb sein Traumbuch im 2. Jahrhundert; auf Deutsch liegt es seit 1881 in der Übersetzung von Friedrich S. Krauss vor. Er unterschied zwei Stufen. Die Erde, die sich bloß bewegt, las er neutral als Bewegung in den Angelegenheiten des Träumenden. Das eigentliche Beben las er schwerer: „Erdspaltungen aber, Erdbeben und Einstürze häufen auf alle Menschen Leid, und geben sie selbst oder ihre Habe dem Verderben preis.“ Doch selbst hier machte Artemidor eine Ausnahme: Wer reisen wollte oder Schulden hatte, dem deutete er denselben Traum günstig, als Lösung von Schulden und Fesseln.

Das Egyptische Traumbuch von 1870, erschienen unter dem Namen des Mönchs Aegydius Lebrecht, bleibt bei einer einzigen Zeile und legt sich nicht fest, ob zum Guten oder zum Schlechten. Zum Verschüttetwerden und zum Überstehen des Bebens haben beide Bücher keinen eigenen Eintrag.

Wenn die Erde bebt

Das sind Deutungen aus alten Traumbüchern, als Überlieferung wiedergegeben – kein Traum sagt die Zukunft voraus.

Was bedeutet es, im Traum die Erde beben zu spüren?

Der Boden schwankt, die Gläser klirren, und du suchst nach etwas, woran du dich halten kannst. Artemidor las die bewegte Erde auffallend nüchtern: „Die Erde, in Bewegung gerathend, bedeutet, dass in die Angelegenheiten und Lebensverhältnisse der Träumenden Bewegung kommen wird“. Das Egyptische Traumbuch von 1870 notiert ebenso knapp: „Erdbeben fühlen: Veränderung in Deinen Verhältnissen.“ Beide Bücher sprechen also von Bewegung, nicht von Unglück. Psychologisch passt das gut: Der Traum kommt oft, wenn sich etwas Grundlegendes verschiebt, ohne dass du gefragt wurdest.

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Was bedeutet ein Riss im Boden im Traum?

Kein Einsturz, nur ein Spalt, der sich vor deinen Füßen öffnet. Artemidor nannte die Erdspaltungen ausdrücklich in einem Atemzug mit Erdbeben und Einstürzen und las sie als Leid und Verderben für alle, mit der erwähnten Ausnahme für Reisende und Schuldner, denen sich der Spalt als Befreiung öffnete. Modern gelesen zeigt der Riss oft, dass etwas auseinandergegangen ist oder sichtbar wurde: zwei Seiten eines Streits, zwei Teile deines Lebens. Es lohnt sich zu merken, was im Spalt zu sehen war und auf welcher Seite du standest.

Was dir im Beben geschieht

Was bedeutet es, im Traum ein Erdbeben zu überstehen?

Der Boden bewegt sich, hört auf, und du stehst noch. Das ist die hellste Wendung dieses Traums. Artemidor und das Egyptische Traumbuch kennen sie nicht eigens; modern gelesen spricht sie von Anpassungsfähigkeit, vom Vermögen, neuen Halt zu finden, wenn der alte versagt hat. Psychologisch taucht dieser Traum oft bei Menschen mitten in großen Veränderungen auf, die besser zurechtkommen, als sie glauben. Er benennt, was schon da ist, und verspricht nichts.

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Was bedeutet es, im Traum verschüttet zu werden?

Staub, Dunkelheit, Gewicht auf der Brust: die schwerste Variante. Psychologen lesen sie als Gefühl, vom Ausmaß einer Veränderung überwältigt zu werden, die schneller kommt als jede Vorbereitung. Das beschreibt einen Zustand, keinen Ausgang, und meist einen, den der Träumende aus dem Wachen bereits kennt. Verwandte Bilder tragen die Stichworte zur Überschwemmung und zum Sturm; alle sprechen von Kraft, die von außen kommt, aber nur das Erdbeben nimmt den Boden.

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Was bedeutet ein Erdbebentraum aus psychologischer Sicht?

Erdbebenträume begleiten meist eine Erschütterung dessen, was der Träumende für festen Grund hielt: eine Überzeugung, eine Beziehung, ein Selbstbild, das für selbstverständlich galt. Viele haben sie in Momenten, in denen sich etwas Grundlegendes ohne ihre Erlaubnis verschiebt, nach plötzlichen Nachrichten, nach der Entdeckung, dass jemand nicht war, wofür sie ihn hielten.

Bezeichnend ist, was dieser Traum probt. Meist wiederholt er die Orientierungslosigkeit und nicht die Auflösung; er lässt dich in dem Moment stehen, in dem noch nichts feststeht. Das ist eine Einladung zu bemerken, worauf du bisher gestanden hast.

Eine Frage, bei der es sich zu bleiben lohnt

Was hast du zuletzt für selbstverständlich gehalten, und wann hast du es das letzte Mal überprüft?


Artemidor las dasselbe Beben für einen Schuldner anders als für jeden anderen: Wer träumt, verändert den Traum. Im Allgemeinen spricht das Erdbeben von einem Boden, der nicht mehr trägt. Welcher Boden das bei dir ist, verraten Einzelheiten, etwa dieselbe Wand, die in jedem Traum reißt, oder das Beben, das immer vor bestimmten Gesprächen kommt. Sie zeigen sich sie in deinen gesammelten Träumen, und dafür ist Dreamlock gebaut: im App Store fürs iPhone.