Man wacht auf und kratzt sich unwillkürlich am Kopf, obwohl nichts juckt. Läuse im Traum sind unangenehm und zugleich ziemlich harmlos. Dabei gehen gerade bei diesem Stichwort Artemidor und das Egyptische Traumbuch so offen auseinander wie selten: Läuse bedeuten je nach Buch einen kleinen Gewinn oder eine echte Last.

Traumbild Was die alten Bücher lasen Quelle
Läuse in der Kleidung „Geld erhalten“ Egyptisches Traumbuch
Sehr viele Läuse Unheil und lange Not; wer sie abschüttelt, behält Hoffnung Artemidor
Läuse fangen „gute Geschäfte“ Egyptisches Traumbuch
Läuse töten Wenige zu finden und zu töten: heilsam, frei von Sorgen Artemidor
Läuse loswerden Hoffnung auf Erlösung aus den Übeln Artemidor

Was bedeutet es, von Läusen zu träumen?

Das Egyptische Traumbuch von 1870, erschienen unter dem Namen des Mönchs Aegydius Lebrecht, liest Läuse mit einer Freundlichkeit, die heute überrascht: „Läuse sehen: bessere Zeiten werden kommen.“ Läuse an sich zu haben las es als Reichtum, Läuse in den Kleidern als Geld, das Fangen als gute Geschäfte. Wie immer gibt das Buch keine Begründung, nur Stichwort und Urteil.

Artemidor von Daldis, dessen Traumbuch aus dem 2. Jahrhundert seit 1881 in der Übersetzung von Friedrich S. Krauss auf Deutsch vorliegt, unterschied schärfer, und zwar nach der Menge. Wenige Läuse, am Körper gefunden und getötet, waren für ihn heilsam, eine Befreiung von Sorgen. In erschreckender Menge dagegen brachten sie Unheil, denn Läuse vermehren sich dort, wo es Menschen schlecht geht.

Zwei Bücher, zwei Richtungen: Lebrecht sieht in den Läusen etwas, das sich vermehrt wie Geld, Artemidor etwas, das sich vermehrt wie Not. Diese Uneinigkeit ist kein Mangel. Sie ist der interessanteste Teil dieses Stichworts.

Wo die Läuse sitzen und wie viele

Das sind Deutungen aus alten Traumbüchern, als Überlieferung wiedergegeben – kein Traum sagt die Zukunft voraus.

Traumdeutung Läuse im Haar: Was bedeutet das?

Läuse im Haar — ein dunkler Zopf auf einem weißen Kissen, daneben ein feiner Kamm im Mondlicht
Läuse im Haar

Bei Läusen denken die meisten zuerst ans Haar, gerade Eltern, die den Läusealarm aus Schule und Kita kennen. Keines der beiden Bücher nennt das Haar ausdrücklich; am nächsten kommen Lebrechts Zeile, Läuse an sich zu haben bedeute Reichtum, und Artemidors Lesart der wenigen Läuse am Körper als heilsam. Modern gelesen sitzt das Problem hier buchstäblich im Kopf: Gedanken, die jucken und nicht loslassen, kleine Sorgen, die sich eingenistet haben. Frag dich, was dir in diesen Tagen nicht aus dem Kopf geht.

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Was bedeutet es, im Traum Läuse in der Kleidung zu finden?

Läuse in der Kleidung — ein altes Leinenhemd über einem Stuhl am mondhellen Fenster
Läuse in der Kleidung

Läuse in Kragen, Nähten oder Ärmeln: ein Bild, das sich eklig anfühlt und doch im Egyptischen Traumbuch von 1870 zu den günstigsten zählt: „Läuse … in Kleidern sehen: Geld erhalten.“ Artemidor las Läuse in den Kleidern ähnlich wie am Körper, solange es wenige waren und man sie tötete, als heilsam. Modern gelesen gehört Kleidung zum Bild, das andere von dir haben. Läuse darin berühren oft die Sorge, dass etwas an dir nicht sauber wirkt.

Was bedeutet es, im Traum sehr viele Läuse zu haben?

Ein ganzer Schwarm, der nicht aufhört: Hier wird der Traum zum Albtraum. Artemidor las ihn ernst: „Wenn es aber viele sind, und sie in erschrecklicher Menge auftreten, so bringen sie Unheil und bedeuten langwierige Krankheit“, dazu Gefangenschaft oder große Armut. Doch selbst er ließ einen Ausweg: Wer die Läuse abschüttelte, behielt Hoffnung. Heute liest man das Bild ruhiger, als einen Schwarm kleiner Anforderungen, von denen keine allein schwer ist, alle zusammen aber zu viel.

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Was bedeutet es, wenn im Traum jemand anderes Läuse hat?

Nicht du hast die Läuse, sondern jemand, den du kennst: ein Kind, ein Kollege, eine Freundin. Artemidor und das Egyptische Traumbuch haben für Läuse bei anderen keinen eigenen Eintrag. Modern gelesen geht es oft um Nähe und Abgrenzung: um die kleinen Sorgen eines anderen, die du gerade mitträgst, oder um die Angst, dass etwas überspringt. Ein verwandtes Bild kleiner, sich häufender Plagen trägt das Traumbild Ratte.

Läuse fangen, töten, loswerden

Was bedeutet es, im Traum Läuse zu fangen?

Mit spitzen Fingern eine Laus nach der anderen fangen: eine geduldige, fast meditative Szene. Das Egyptische Traumbuch von 1870 las sie geschäftlich: „Läuse … fangen: gute Geschäfte.“ Wer fängt, handelt, und wer handelt, gewinnt, so könnte man die Logik des Buches lesen. Modern gelesen geht es um das Abarbeiten kleiner Aufgaben, eine nach der anderen, und um die Befriedigung, die darin liegt.

Was bedeutet es, im Traum Läuse zu töten?

Das Knacken zwischen den Fingernägeln, das Gefühl, etwas im Griff zu haben: Viele erleben diesen Traum als Erleichterung. Artemidor las ihn genau so: „Wenige Läuse zu haben, sie am Körper oder in den Kleidern zu finden und sie zu tödten, ist heilsam“, eine Befreiung von aller Sorge und Mühsal. Psychologisch liegt nahe, darin eine Auseinandersetzung zu sehen, die du endlich führst, statt sie nur zu ertragen.

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Was bedeutet es, im Traum die Läuse loszuwerden?

Auskämmen, auswaschen, abschütteln: Der Traum vom Loswerden ist der hoffnungsvollste Läusetraum. Artemidor las ihn als Rettungsweg: „Wenn man sie aber abwirft und sich von ihnen reinigt, bleibt Einem die Hoffnung auf Erlösung aus den betreffenden Uebeln“. Wer dagegen im Traum noch voller Läuse aufwachte, dem ließ er diese Hoffnung nicht. Modern gelesen begleitet das Bild oft das reale Aufräumen einer Liste, in den Tagen, in denen du endlich Ordnung schaffst.

Was bedeutet ein Traum von Läusen aus psychologischer Sicht?

Kleine Sorgen in großer Zahl. Befallsträume lesen sich als Verpflichtungen, Kritiken oder Ängste, die als Schwarm erlebt werden: keine einzelne davon ernst, alle zusammen kaum zu ertragen. Das trifft genau den Punkt, an dem Artemidor die Grenze zog, zwischen wenigen und vielen.

Nah an der Oberfläche liegt außerdem das Jucken sozialer Scham: Läuse gelten als peinlich, obwohl sie jeden treffen können. Bilder des Entlausens begleiten meist ein reales Abarbeiten kleiner Schulden und Aufgaben. Wer diesen Traum in einer Woche hat, in der zwanzig Kleinigkeiten offen sind, muss nicht lange nach der Bedeutung suchen. Interessanter ist die Frage, welche der beiden alten Lesarten sich für den eigenen Fall richtiger anfühlt: Lebrechts Gewinn oder Artemidors Last.

Eine Frage, bei der es sich zu bleiben lohnt

Welche zwanzig kleinen Dinge liegen bei dir gerade offen, und welche davon hat dir eigentlich niemand aufgetragen?


Gewinn oder Last, wenige oder viele: So weit reicht die allgemeine Deutung. Ob die Läuse bei dir am Ende langer Monate kommen oder in Wochen, in denen du zu viel für andere erledigst, und ob du sie im Traum irgendwann loswirst, steht in keinem Buch. Das zeigt sich, wenn du deine Träume über eine Weile festhältst und wieder liest. Dafür ist Dreamlock gebaut: im App Store fürs iPhone.