Fast jeder kennt diesen Traum, und fast immer stimmt etwas nicht. Die Straße biegt anders ab als erwartet, das Bremspedal ist weich, oder es stellt sich plötzlich heraus, dass jemand anderes fährt. Das Auto gehört zu den körperlichsten Bildern der Traumdeutung — man spürt Tempo und Gewicht — und genau deshalb spricht es so deutlich davon, wie jemand durch sein Leben fährt.

Was die alten Traumbücher sagen

Die alten Traumbücher lasen das Auto als gerichteten Willen: als die Fähigkeit, sich im selbst gewählten Tempo durchs Leben zu bewegen. Ein Wagen außer Kontrolle warnt vor Umständen, die schneller geworden sind als die Fähigkeit des Träumenden zu lenken. Ein liegengebliebener Wagen weist auf Hindernisse hin, die den Fortschritt blockieren. Den Wagen zu verlieren, lasen die Bücher als Verlust von Selbstbestimmung; Beifahrer zu sein statt Fahrer, als Handlungsmacht, die an fremde Entscheidungen abgegeben wurde.

Die islamische Traumdeutung in der Ibn-Sirin-Tradition hat das Auto als modernes Symbol aufgenommen und deutet es bemerkenswert ähnlich: als Hinweis auf den Weg des Träumenden und auf die Kontrolle über seine eigenen Angelegenheiten. Ruhiges Fahren gilt dort als Fortschritt und sichere Richtung. Der Kontrollverlust warnt vor Verhältnissen, die einem entgleiten. Ein liegengebliebener Wagen steht für stockende Pläne, und die Mitfahrenden werden als jene gelesen, die den Weg des Träumenden teilen — ein Detail, das die westliche Tradition so nicht kennt und das sich zu merken lohnt.

Was Psychologen beobachten

Das Auto steht meist für gerichtete Bewegung durchs Leben — für das Fahrzeug, mit dem der Träumende irgendwohin unterwegs ist. Viele Träumende stellen fest, dass vor allem eines zählt: wer fährt. Der Beifahrersitz begleitet häufig ein empfundenes Nachlassen der eigenen Zuständigkeit. Versagende Bremsen begleiten die Angst, etwas bereits Rollendes nicht mehr anhalten zu können. Der Zustand des Wagens spiegelt dabei recht zuverlässig das eigene Gefühl von Schwung und Kontrolle.

In der Praxis ist dieser Traum erstaunlich aufschlussreich, weil er sich schwer wegerklären lässt. Menschen bemerken monatelang nicht, dass sie in einer Sache längst nicht mehr entscheiden — und träumen dann dreimal hintereinander, dass sie rechts sitzen. Deshalb lohnt es sich, nach dem Aufwachen zwei Dinge zu notieren: wer das Lenkrad hielt und ob die Straße vertraut war.

Eine Frage, bei der es sich zu bleiben lohnt

In welcher Sache deines Lebens bist du zuletzt auf den Beifahrersitz gewechselt — und war das deine Entscheidung?

Traumdeutung Auto fahren

Die hellste Variante: ruhiges, sicheres Fahren steht für Zuversicht und Vorwärtsbewegung. Beide Traditionen sind sich hier einig, was selten vorkommt. Es lohnt sich dennoch, eine Ebene tiefer zu gehen, denn hier trägt das Detail mehr als das Stichwort — wohin führte die Straße, war sie vertraut, und wusste der Träumende überhaupt, wohin er fuhr? Ein Traum von sicherem Fahren ins Nirgendwo sagt etwas anderes als ein Traum von schwieriger Fahrt mit klarem Ziel. Die Richtung wiegt in diesem Bild schwerer als das Tempo.

Kontrollverlust und versagende Bremsen

Die körperlichste Variante und die, nach der man am schlechtesten wieder einschläft. Die alten Bücher warnen vor Umständen, die das eigene Lenkvermögen überholt haben. Die moderne Lesart ist eng und konkret: Dieses Bild kehrt in Zeiten wieder, in denen etwas bereits Fahrt aufgenommen hat und der Träumende keinen Weg sieht, es anzuhalten — ein Projekt, das über den Plan hinausgewachsen ist, ein Gespräch, das zu weit ging. Endet der Traum im Unfall, sagt das eigene Stichwort mehr dazu.

Der Wagen, der nicht anspringt

Die leise, zermürbende Variante: Schlüssel drehen, Motor röchelt, nichts. Die Bücher lesen darin Hindernisse, die den Weg blockieren; die Ibn-Sirin-Tradition spricht von stockenden Plänen. Psychologisch begleitet dieses Bild seltener eine Krise als ein Feststecken: Zeiten, in denen jemand genau weiß, wohin er will, aber nicht losfährt. Es lohnt sich, das Stichwort zum Schlüssel danebenzulegen — beide sprechen von Zugang, und manchmal fehlt nicht der Weg, sondern die Erlaubnis loszufahren.


Ein Lexikon kann dir sagen, was ein Auto im Traum im Allgemeinen bedeutet. Es kann nicht sehen, dass du immer dieselbe Landstraße fährst oder dass am Steuer immer dieselbe Person sitzt. Das können nur deine eigenen Träume, gesammelt und nebeneinandergelegt — und genau dafür ist Dreamlock gebaut, bald verfügbar fürs iPhone.