Das Krokodil erschreckt anders als andere Traumtiere: Es jagt nicht, es wartet. Meist liegt es reglos im Wasser, nur Augen und Rückenkamm zu sehen, und der Traum weiß lange vor dir, dass Stille hier nicht Frieden heißt.

Was bedeutet es, von einem Krokodil zu träumen?

Artemidor von Daldis schrieb sein Traumbuch im 2. Jahrhundert; auf Deutsch liegt es seit 1881 in der Übersetzung von Friedrich S. Krauss vor. Beim Krokodil ist er unverblümt: „Das Krokodil bedeutet einen Piraten oder einen Mörder oder einen nicht minder ruchlosen Menschen.“ Wichtiger noch ist seine Regel dazu: Was das Krokodil im Traum mit dem Träumenden tat, das würde der Mensch, für den es stand, auf dieselbe Weise tun. Nicht das Tier entschied also, sondern seine Handlung.

Das Egyptische Traumbuch von 1870, erschienen unter dem Namen des Mönchs Aegydius Lebrecht, verlegt die Gefahr vom Ufer in die Gesellschaft: „Crocodill sehen: Verläumdungen ausgesetzt sein.“ Aus dem Mörder wird der üble Nachredner, aus dem Überfall das Gerede.

Zu einzelnen Szenen wie dem Krokodil im Wasser oder der Flucht schweigen Artemidor und Lebrecht. Dort bleibt Artemidors Regel, oder die moderne Lesart übernimmt.

Was das Krokodil tut

Das sind Deutungen aus alten Traumbüchern, als Überlieferung wiedergegeben – kein Traum sagt die Zukunft voraus.

Was bedeutet es, wenn das Krokodil im Traum angreift oder beißt?

Der Angriff löst die Wartestellung auf: Die geahnte Gefahr wird offen. Artemidor hat keinen eigenen Eintrag zum Biss, aber seine Regel zum Krokodil lässt sich hier unmittelbar anwenden: Was das Tier dem Träumenden antat, würde nach Artemidor der ruchlose Mensch, für den es stand, genauso tun. Psychologisch begleitet der Biss oft den Moment, in dem ein lange vermiedener Konflikt tatsächlich Kontakt aufnimmt. Achte darauf, was danach geschieht: Wehren, Entkommen und Erstarren sind drei sehr verschiedene Fortsetzungen derselben Szene.

War dein Traum anders? Dreamlock liest den Traum, den du wirklich hattest →

Was bedeutet es, wenn das Krokodil im Wasser lauert?

Das reglos treibende Krokodil ist die reinste Form des Symbols. Nichts passiert, und genau das ist der Inhalt: eine Bedrohung, die noch nicht zugeschnappt hat und es vielleicht nie tut, die aber deine Aufmerksamkeit gebunden hält. Artemidor und Lebrecht unterscheiden nicht, wo das Krokodil liegt. Psychologen lesen Wasser im Traum oft als Gefühlsleben; die Gefahr liegt hier also buchstäblich in deinen Gefühlen: etwas Unausgesprochenes in einer Beziehung, ein Ärger, der sich still hält.

War dein Traum anders? Dreamlock liest den Traum, den du wirklich hattest →

Die Flucht

Was bedeutet es, im Traum vor einem Krokodil zu fliehen?

Vor einem Krokodil fliehen im Traum — ein Ruderboot entfernt sich, zwei Augen im mondhellen Fluss
Vor einem Krokodil fliehen

Du rennst das Ufer hinauf, und hinter dir schlägt das Wasser. Artemidor und das Egyptische Traumbuch haben zur Flucht keinen eigenen Eintrag. Die moderne Lesart gibt der Flucht recht: Wer sich einer Lage entzieht, deren Regeln ein anderer bestimmt, verliert nicht, sondern wählt das eigene Element. Wird aus der Flucht allerdings eine Verfolgung, die Nacht für Nacht wiederkehrt, erzählt der Traum eher vom Ausweichen selbst als von der Gefahr.

War dein Traum anders? Dreamlock liest den Traum, den du wirklich hattest →

Was bedeutet ein Krokodiltraum aus psychologischer Sicht?

Die moderne Lesart braucht den Piraten nicht, aber sie behält das Ufer: Psychologen lesen das Krokodil als Gefahr unter ruhiger Oberfläche. Es liegt dort, wo das Gefühl tief ist, geduldig und fast vollständig verborgen. Krokodilträume begleiten auffällig oft Bedrohungen, die gespürt, aber nicht gesehen werden: eine Lage oder ein Temperament, das nur die Augen zeigt.

In der jungianischen Linie ist das Krokodil der alte Instinkt selbst, unverändert und von unseren Argumenten unbeeindruckt. Verwandt ist das Bild mit der Schlange: Beide stehen für etwas Mächtiges, dem man nicht traut. Aber die Schlange kann sich häuten; das Krokodil kennt nur das Warten. Die wache Frage, die diese Deutung stellt, ist immer dieselbe: An welchem Wasser stehst du gerade?

Eine Frage, bei der es sich zu bleiben lohnt

Welche Lage in deinem Leben wirkt gerade ruhig, obwohl etwas in dir längst die Augen über der Wasserlinie gesehen hat?


Artemidor fragte bei jedem Krokodil zuerst, was es tat, und erst dann, wofür es stand. Die allgemeine Deutung endet am Ufer. An welchem Wasser dein Krokodil liegt, ob es nach bestimmten Begegnungen auftaucht oder in bestimmten Wochen, zeigen erst deine eigenen Träume, beieinander betrachtet. Genau dafür ist Dreamlock gebaut: im App Store fürs iPhone.