Von diesem Traum erzählt man ungern, geträumt wird er ständig: die Suche nach einer Toilette, die besetzt ist, keine Tür hat oder in einem unmöglichen Flur liegt. Kaum ein Traumsymbol ist so alltäglich — und kaum eines wird so unterschätzt.

Was die alten Traumbücher sagen

Die alten Traumbücher behandelten den Abtritt mit Umschreibung und überraschender Heiterkeit. Unrat und Exkremente lasen sie berühmt-berüchtigt als Geld — Gewinn aus wenig glanzvollen Quellen —, und das Erleichtern selbst als Lasten, die abgelegt werden. Ihre Warnungen waren praktisch: Ein verwahrloster oder überlaufender Abtritt stand für Angelegenheiten, die zu lange vernachlässigt wurden; und wer einen stillen Ort suchte und keinen fand, träumte von einem Bedürfnis, dem der geschützte Platz fehlt.

Die islamische Traumdeutung in der Ibn-Sirin-Tradition hielt diesen Eintrag knapp und mit der ihr eigenen Offenheit in Gelddingen: Sich erleichtern stand für Befreiung von Lasten — oft das Ausgeben von Geld oder das Loswerden einer Sorge; ein sauberer Ort dafür bedeutete geordnete Angelegenheiten, ein verschmutzter Gewinne oder Geschäfte, die einer Reinigung bedürfen.

Was Psychologen beobachten

Psychologen zählen die Toilettensuche zu den häufigsten Erwachsenenträumen überhaupt — und lesen sie kaum je wörtlich als Peinlichkeit. Ihr Thema ist Privatheit: Der Traum von der besetzten, türlosen, unmöglich öffentlichen Toilette taucht bevorzugt in Lebensphasen auf, in denen man überbelichtet ist — zu erreichbar, zu zuständig, zu sichtbar. Ein Bedürfnis wartet auf einen sicheren Ort, und der Traum findet keinen. Dass ausgerechnet dieses Symbol so selten nachgeschlagen und so oft geträumt wird, passt zum Befund: Auch über das Bedürfnis nach Rückzug spricht man ungern laut.

Dazu gehört die nüchternste Prüfung der ganzen Traumdeutung, und hier gilt sie mehr als irgendwo sonst: Manchmal bittet schlicht der Körper den Schläfer, aufzustehen.

Eine Frage, bei der es sich zu bleiben lohnt

Wo in deinem Leben fehlt dir zurzeit eine Tür, die du hinter dir schließen kannst — und wer oder was hält sie offen?

Keine Toilette finden

Die Kernvariante: Flure, Schlangen, Kabinen ohne Schloss. Schon die alten Bücher lasen die vergebliche Suche als Bedürfnis ohne stillen Ort; die moderne Lesart buchstabiert das aus — ein Anliegen, das nicht warten kann, in einem Leben, das gerade keinen geschützten Winkel dafür hat. Achte darauf, wo der Traum spielt: Arbeitsplatz, Schule, das eigene Haus — der Ort verrät oft, welcher Bereich zu wenig Rückzug lässt. Und achte auf die Hindernisse: Eine Schlange vor der Tür erzählt etwas anderes als ein Schloss, das nicht schließt.

Eine verstopfte oder überlaufende Toilette

Die unangenehmste Variante trägt die klarste alte Lesart: zu lange vernachlässigte Angelegenheiten. Was aufgeschoben wurde, läuft über — die Bücher meinten Geschäfte und Pflichten, die moderne Lesart nimmt Gespräche und Gefühle dazu. Der Traum ist derb, aber selten rätselhaft; meistens weißt du beim Aufwachen ziemlich genau, welcher Stapel gemeint ist.

Eine öffentliche Toilette ohne Tür

Hier rückt der Traum in die Nähe des Nacktheitstraums: Es geht ums Gesehenwerden. Das Privateste soll an einem Ort ohne Wände geschehen — so fühlen sich Lebensphasen an, in denen Grenzen nicht respektiert werden oder man selbst keine zieht. Die alten Bücher kannten die Großraumkabine nicht; ihre Lesart vom fehlenden stillen Ort trifft sie trotzdem genau. Frag dich beim Aufwachen weniger, wer zusah — sondern warum du geblieben bist.


Was Toilettenträume im Allgemeinen bedeuten, steht hier. Ob deiner immer im selben Flur spielt und immer vor demselben Wochentag auftaucht, kann kein Lexikon wissen — das zeigen erst deine eigenen Träume, gesammelt an einem privaten Ort. Genau das ist Dreamlock: eine verschlossene Schatulle für deine Träume, die zuhört, sich erinnert und Muster sichtbar macht. Bald verfügbar.