Der Tsunami unterscheidet sich von den meisten Wasserträumen durch eines: Man sieht ihn früher, und man kann nichts tun. Die Flut steigt langsam, das Gewitter zieht auf, die Welle steht einfach am Horizont und wird größer. Genau dieser Zeitraum des Zusehens, nicht der Aufprall, ist der eigentliche Inhalt.
Was bedeutet es, von einem Tsunami zu träumen?
Artemidor von Daldis, auf Deutsch seit 1881 in der Übersetzung von Friedrich S. Krauss, und das Egyptische Traumbuch des Aegydius Lebrecht von 1870 haben keinen Eintrag zur Flutwelle. Was sie anbieten, sind Verwandte: Den Sturm auf dem Meer las Artemidor als „Verwirrung und Verluste; denn er ist ihr Urheber“, und im Fluss zu stehen, „von Wellen bespült zu werden und nicht hinausgehen zu können“, nannte er schlimm. Das Egyptische Traumbuch las die Überschwemmung knapp als Bedrängnis durch einen Gläubiger. Das sind Analogien, keine Deutungen des Tsunamis, und diese Seite macht sie nicht dazu.
Was Artemidor und Lebrecht mit der modernen Lesart verbindet, ist eine Beobachtung: Artemidor wie Lebrecht ließen den Zustand des Wassers entscheiden, ruhig oder stürmisch. Die folgenden Abschnitte geben die psychologische Lesart der Tsunamiträume wieder, nach denen oft gefragt wird.
Was die Welle tat
Die alten Traumbücher kennen diesen Traum nicht; was folgt, ist die moderne, psychologische Deutung – kein Traum sagt die Zukunft voraus.
Was bedeutet es, wenn sich das Meer vor der Welle zurückzieht?
Das Wasser weicht zurück, der Meeresboden liegt frei, Fische zappeln im Sand: Im Erleben ist das eine unheimliche Szene. Psychologisch ist sie die praktischste. Das zurückweichende Meer ist das frühe, leise Zeichen, das man leicht übersieht, weil es zunächst eher seltsam als gefährlich wirkt. Es lohnt sich zu fragen, welches leise Signal in deinem Leben gerade besonders leicht zu übersehen ist. Der Traum hat es meist schon bemerkt.
Was bedeutet eine Riesenwelle im Traum?
Eine Wasserwand, höher als die Häuser, und sie kommt auf dich zu. Psychologen lesen die Riesenwelle als Überforderung, von der du weißt, dass sie kommt: eine Frist, eine Abrechnung, eine Veränderung, die bereits in Bewegung ist. Auffällig ist, wie oft die Welle im Traum nie ankommt. Dann handelt der Traum weniger vom Ereignis als vom Warten darauf, und das Warten ist oft das, was im Wachleben am meisten Kraft kostet.
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Was bedeutet es, wenn dich im Traum die Welle erfasst?
Im Erleben ist das die härteste Szene: Das Wasser reißt dich mit, du verlierst den Boden und die Richtung. Viele tauchen im Traum aber wieder auf, und genau darauf lohnt es sich zu achten. Psychologisch beschreibt die Szene eine Zeit, in der alles auf einmal kommt, und oft auch, dass man sie übersteht. Nichts ist hier vorhergesagt, benannt wird ein Zustand. Wer diesen Traum in Monaten hat, in denen alles gleichzeitig drängt, findet darin meist genau das.
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Was du getan hast
Was bedeutet es, im Traum vor dem Tsunami auf höheres Land zu fliehen?

Du rennst den Hang hinauf, die Welle im Rücken, und oben ist es trocken. Das ist die hellere Seite des Traums. Psychologisch taucht sie oft bei Menschen auf, die gerade eine schwere Entscheidung getroffen haben und noch nicht wissen, ob sie richtig war. Der Traum zeigt, dass die Bewegung selbst die Zuflucht war. Wird aus der Flucht allerdings ein nächtliches Muster, erzählt der Traum eher von einer Furcht, der du dich noch nicht gestellt hast. Verwandt ist das Stichwort zur Überschwemmung.
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Was bedeutet ein Tsunamitraum aus psychologischer Sicht?
Wo das Hochwasser steigt, kommt der Tsunami: eine Welle, von Weitem gesehen, nicht aufzuhalten. Psychologen ordnen solche Träume einer Überforderung zu, von der der Träumende weiß, dass sie kommt.
Aufschlussreich ist dabei oft nicht die Welle, sondern die Pause. Das hilflose Intervall zwischen dem Sichten und dem Aufprall ist das eigentliche Thema dieses Traums, und häufig auch das des Wachlebens. Viele träumen den Tsunami nicht, während etwas geschieht, sondern während sie darauf warten, dass es beginnt. Deshalb lohnt es sich zu notieren, wie lange im Traum zugesehen wurde und ob es überhaupt einen Weg gab. Das Meer im ruhigen Zustand erzählt übrigens von der Gegenrichtung: von Weite, nicht von Wucht.
Eine Frage, bei der es sich zu bleiben lohnt
Was siehst du gerade kommen, und was ließe sich noch tun, bevor es da ist?
Stehst du jedes Mal am selben Strand? Kommt die Welle nie an, oder kommt sie inzwischen näher? Die allgemeine Lesart, Überforderung mit Vorlauf, hilft beim ersten Traum und oft auch beim zweiten. Beim fünften zählen die kleinen Unterschiede von Nacht zu Nacht, und die sieht man erst, wenn die Träume festgehalten und nebeneinandergelegt sind. Genau dafür ist Dreamlock gebaut, im App Store fürs iPhone.
