Das Meer ist im Traum selten Kulisse. Es ist da, es ist größer als alles andere, und du stehst davor oder darin. Artemidor und das Egyptische Traumbuch behandelten es deshalb nicht als Ort, sondern als Wetterlage: Wie das Wasser sich bewegte, entschied alles.

Traumbild Was die alten Bücher lasen Quelle
Ans Ufer gelangen „sein Ziel glücklich erreichen“ Egyptisches Traumbuch
Eine Seefahrt Glückliche Fahrt bringt Glück, ein Sturm Verstimmung und Gefahr Artemidor
Ein Schiffbruch Nachteil für alle (Artemidor); „Errettung aus einer Gefahr“ (Egyptisches Traumbuch) Artemidor / Egyptisches Traumbuch
Im Meer untergehen Das Missgeschick selbst verschuldet Egyptisches Traumbuch
Über das Meer gehen Gut für eine Reise, je nach Person verschieden Artemidor
Ein ruhiges Meer Sanft bewegt: Gelingen (Artemidor); „beständiges Glück“ (Egyptisches Traumbuch) Artemidor / Egyptisches Traumbuch
Ein stürmisches Meer Verwirrung und Verluste (Artemidor); „Unglück auf Reisen“ (Egyptisches Traumbuch) Artemidor / Egyptisches Traumbuch

Wie deuten die alten Traumbücher das Meer?

Artemidor von Daldis, auf Deutsch seit 1881 in der Übersetzung von Friedrich S. Krauss, schrieb für Leser, die vom Meer lebten: Kaufleute, Seeleute, Reisende. Entsprechend genau las er das Wasser. Ein Meer in sanfter Bewegung mit kleinen Wellen deutete er als Gelingen der Geschäfte, die völlige Windstille dagegen als Geschäftslosigkeit, weil sich nichts bewegt, und den Sturm als Verwirrung und Verluste. Auch bei der Seefahrt kam es ihm auf Einzelheiten an: Ein großes, gut beladenes Schiff war ihm lieber als ein kleines.

Das Egyptische Traumbuch von 1870, erschienen unter dem Namen des Mönchs Aegydius Lebrecht, ist wie immer knapper: „Meer ruhig sehen: beständiges Glück.“ Im Meer zu baden, las es als Gesundheit und Wohlbefinden.

Beim Zustand des Wassers sind sich die beiden Bücher einig. Beim Schiffbruch aber gehen sie weit auseinander, und genau dort wird es interessant: Was bei Artemidor Schaden für fast alle bedeutet, liest Lebrecht als Rettung.

Am Ufer, auf dem Schiff, im Wasser

Das sind Deutungen aus alten Traumbüchern, als Überlieferung wiedergegeben – kein Traum sagt die Zukunft voraus.

Was bedeutet es, im Traum ans Ufer zu gelangen?

Nach langem Schwimmen oder einer unruhigen Fahrt endlich Boden unter den Füßen: ein Traum, nach dem man erleichtert aufwacht. Das Egyptische Traumbuch von 1870 las ihn eindeutig günstig: „Ufer des Meeres sehen: sein Ziel glücklich erreichen.“ Artemidor dachte ähnlich, als er Schiffe, die in den Hafen einlaufen, als rascheren Erfolg las, weil sie am Ende der Fahrt angekommen sind. Modern gelesen markiert das Ufer oft den Moment, in dem etwas Unübersichtliches wieder überschaubar wird.

Was bedeutet eine Seefahrt im Traum?

Übers Meer segeln — Gemälde eines kleinen Segelboots allein auf einem weiten, mondhellen Meer
Übers Meer segeln

Ein Boot, der Wind, die offene Weite: Die Seefahrt gehört zu den schönsten Meeresträumen. Artemidor las sie freundlich, solange die Fahrt gut verlief: „Zu träumen, dass man schifft, und zwar glücklich schifft, bringt Jedermann Glück, in einen Sturm aber hineingerathen, bedeutet Verstimmungen und Gefahren.“ Psychologisch steht die Fahrt oft für einen Lebensabschnitt, auf den du dich eingelassen hast. Wer steuert und wie das Wetter ist, sagt mehr als das Schiff.

Was bedeutet ein Schiffbruch im Traum?

Das Schiff kentert oder zerschellt an den Klippen. Hier widersprechen sich die Bücher vollständig. Artemidor las den Schiffbruch als Nachteil für alle, nur Gefangene und Sklaven nahm er aus, denn ihnen zerbrach im Bild das, was sie festhielt. Das Egyptische Traumbuch von 1870 las ihn dagegen günstig: „Schiffbruch leiden: Errettung aus einer Gefahr.“ Modern gelesen ist der Schiffbruch oft das Ende eines Plans, der ohnehin nicht mehr trug.

Was bedeutet es, im Traum im Meer unterzugehen?

Die schwerste Variante: Das Wasser schließt sich über dir. Das Egyptische Traumbuch von 1870 las sie ungewöhnlich persönlich, in direkter Anrede an den Leser: Wer im Meer untergeht, sei an seinem Missgeschick selbst schuld. Das ist die strenge Stimme eines alten Volksbuches, keine Vorhersage. Heute liest man den Traum eher als Überforderung, als das Gefühl, von etwas hinabgezogen zu werden. Wenn solche Träume dich regelmäßig schwer zurücklassen, sprich mit jemandem, dem du vertraust.

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Was bedeutet es, im Traum über das Meer zu gehen?

Über das Wasser zu gehen, als wäre es fester Boden, ist ein seltener, wunderbarer Traum. Artemidor las ihn je nach Person verschieden: „Auf dem Meere sich ergehen, ist für Einen, der eine Reise machen will … von guter Vorbedeutung“, ebenso für den, der heiraten will. Einem jungen Mann dagegen deutete er es als Liebe zu Hetären, einer Frau als lockeres Leben. Modern gelesen zeigt der Traum oft eine Sicherheit, die du dir selbst kaum zutraust.

Wie das Meer aussah

Was bedeutet ein ruhiges Meer im Traum?

Ein ruhiges Meer — Gemälde eines weiten, spiegelglatten Meeres bei Nacht mit einem langen silbernen Mondpfad
Ein ruhiges Meer

Die hellste Variante: glattes Wasser, ein Mondpfad bis zum Horizont. Artemidor unterschied fein: „Immer bringt es Glück, das Meer in sanfte Bewegung gerathen und Wellen schlagend zu sehen“, schrieb er; die völlige Flaute dagegen las er als Stillstand. Das Egyptische Traumbuch von 1870 las die ruhige See schlicht als beständiges Glück. Psychologisch kommt dieser Traum oft, wenn etwas Großes gerade aufhört, bedrohlich zu sein.

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Was bedeutet ein aufgewühltes, stürmisches Meer im Traum?

Ein aufgewühltes Meer — Gemälde hoher dunkler Wellen, die unter einem Sturmhimmel in blasse Gischt brechen
Ein aufgewühltes Meer

Hohe Wellen, Gischt, ein dunkler Himmel. Beide Bücher lasen den Sturm ungünstig. Artemidor: „ein Sturm aber Verwirrung und Verluste; denn er ist ihr Urheber.“ Das Egyptische Traumbuch von 1870 notierte: „Meer … stürmisch sehen: Unglück auf Reisen.“ Die Psychologie stellt eine brauchbare Doppelfrage: Ist das Wetter in dir, oder kommt es von jemandem? Verwandte Bilder tragen die Stichworte zum Tsunami und zum Wasser.

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Was bedeutet klares Wasser im Meer im Traum?

Du siehst bis auf den Grund, jeder Stein ist erkennbar. Artemidor und das Egyptische Traumbuch unterscheiden klares und trübes Meerwasser nicht; beide fragen nur, ob das Meer ruhig oder stürmisch war. Moderne Deutungen lesen das klare Wasser als Durchblick: Etwas, das lange undurchsichtig war, liegt nun offen. Frag dich, was du in diesen Tagen klarer siehst als vorher.

Was bedeutet ein Traum vom Meer aus psychologischer Sicht?

Das Meer erscheint meist als Unermesslichkeit, weit, gleichgültig und Träger all dessen, was du unter seiner Oberfläche noch nicht sehen kannst. Viele finden es in Momenten existenzieller Offenheit oder wenn sie sich sehr klein vor etwas sehr viel Größerem fühlen.

Jung las das Meer als das kollektive Unbewusste: die Quelle, aus der das einzelne Leben hervorgeht und in die es zurückkehrt. Das klingt abstrakt, hat aber eine praktische Seite. Menschen träumen vom Meer, wenn Fragen zu groß werden für die Maßstäbe des Alltags. Notiere deshalb, ob du am Ufer standest, im Wasser warst oder darüber fuhrst.

Eine Frage, bei der es sich zu bleiben lohnt

Wovor kommst du dir gerade klein vor, und ist das eine Kraft oder ein Mensch?


Ruhig oder stürmisch, Ufer oder offene See: So weit reicht, was sich über das Meer im Allgemeinen sagen lässt. Dein Meer hat Einzelheiten, die in keinem Buch stehen: ob du immer am selben Strand wartest, ob du nie hineingehst, ob das Wasser mit den Jahren ruhiger wird. Das zeigt sich erst, wenn du deine Träume festhältst und nebeneinanderlegst. Genau dafür gibt es Dreamlock, im App Store fürs iPhone.