Das Unheimliche am Tornado ist nicht der Lärm, sondern die Sichtbarkeit: Er steht am Horizont, du siehst ihn genau, und du kannst nichts tun. Träume greifen sich dieses Bild auch dort, wo es kaum je einen echten Tornado gibt. Artemidor und das Egyptische Traumbuch kennen den Tornado nicht; das Nächste, was Artemidor bietet, ist der Wirbelwind.

Was bedeutet es, von einem Tornado zu träumen?

Artemidor von Daldis, auf Deutsch seit 1881 in der Übersetzung von Friedrich S. Krauss, nennt den Wirbelwind in einem Atemzug mit Regenguss und Sturm: „Dagegen zieht ein Regenguss, ein Wirbelwind und ein Sturm, Gefahren und Verluste nach sich“. Eine Ausnahme machte er für Sklaven, Arme und Menschen in Not. Diesen verhieß das Unwetter Erlösung, weil auf große Stürme heiteres Wetter folgt. Einen eigenen Eintrag mit Varianten hat der Wirbelwind bei ihm nicht.

Über die einzelnen Szenen unten, den herannahenden Trichter, die Flucht, die vielen Tornados, sagen Artemidor und das Egyptische Traumbuch nichts. Dort spricht die moderne Deutung. Sie achtet vor allem auf den Abstand: Ob der Wirbel am Horizont steht, auf dich zukommt oder dich schon erfasst hat, verändert, wovon der Traum erzählt. Und sie fragt, wo du im Traum standest: draußen im Feld, am Fenster oder schon im Keller.

Den Tornado sehen

Die alten Traumbücher kennen diesen Traum nicht; was folgt, ist die moderne, psychologische Deutung – kein Traum sagt die Zukunft voraus.

Was bedeutet es, wenn im Traum ein Tornado aus der Ferne herannaht?

Du stehst auf einem Feld oder am Fenster, und am Horizont dreht sich der Trichter. Selten ist der Einschlag der Kern dieses Traums, meistens ist es das Näherkommen, das lange, gebannte Hinsehen. Psychologen lesen darin eine Krise, die man kommen sieht und nicht aufhalten kann: eine Kündigungswelle, ein Streit in der Familie, eine Trennung, die sich abzeichnet. Im Wachen entspricht die Ferne oft der Krise eines anderen, die du mitansehen musst. Die Distanz im Traum ist dann keine Kälte, sondern eine ehrliche Ortsangabe.

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Was bedeutet es, im Traum mehrere Tornados zu sehen?

Mehrere Tornados — Gemälde von drei blassen Wirbeln, weit verteilt über einer mondhellen Ebene
Mehrere Tornados

Mehrere Wirbel am selben Himmel verschieben die Lesart von einer Krise zu einer Lage: nicht ein einzelner Umsturz, sondern eine Zeit, in der es an mehreren Enden zugleich unruhig ist. Die moderne Deutung hört darin die ehrliche Bilanz eines überladenen Monats, Arbeit, Familie, Geld, alles auf einmal. Aufschlussreich ist, ob die Tornados im Traum auf dich zukommen oder an dir vorbeiziehen, und ob einer davon größer ist als die anderen.

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Fliehen und sich verstecken

Was bedeutet es, im Traum vor einem Tornado zu fliehen oder sich zu verstecken?

Wer rennt, Keller sucht, Türen verriegelt, träumt vom Ausweichen. Psychologen fragen hier weniger nach dem Sturm als nach dem Versteck: Wohin rettest du dich im Traum, und gibt es diesen Ort im Leben auch? Ein Keller, der hält, ist im Traum wie im Wachen keine Feigheit, sondern ein Plan. Anders ist es, wenn die Flucht nie endet und kein Versteck sicher ist. Dann erzählt der Traum oft von einer Krise, der man sich noch nicht gestellt hat, und die Kraft, die das Ausweichen kostet, wird selbst zum Sturm.

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Was bedeutet ein Tornadotraum aus psychologischer Sicht?

Psychologen beschreiben den Tornado-Traum als Angst mit sichtbarer Gestalt: Zerstörung, die man kommen sieht, aber nicht steuern kann. Solche Träume häufen sich um Lagen, die genau so gebaut sind, ein aufbrausendes Temperament im Haus, eine schwelende Krise, eine Familie unter Spannung, die man hilflos umkreist.

Anders als beim Sturm, der von allen Seiten kommt, hat der Tornado eine Richtung und eine Gestalt. Das macht ihn zum Bild für eine bestimmte Sorge, nicht für allgemeine Unruhe. Diese Furcht vor dem Aufziehen hat im wachen Leben fast immer einen Namen, und oft kennst du ihn schon. Die nüchterne Frage lautet: Wer oder was bestimmt gerade dein Wetter?

Eine Frage, bei der es sich zu bleiben lohnt

Welches Unwetter siehst du in deinem Leben gerade aufziehen, und beobachtest du es, weil du nichts tun kannst, oder weil du noch nichts tun willst?


Ein Trichter am Horizont, eine sichtbare Angst, eine Lage, die du nicht lenken kannst: So liest man den Tornado heute. Ob deiner immer über demselben Haus steht und ob er wiederkommt, sobald es zu Hause laut wird, zeigt erst der Blick auf deine eigenen Träume, nebeneinandergelegt über Wochen, mit dem Gefühl beim Aufwachen. Genau dafür ist Dreamlock gebaut, im App Store fürs iPhone.