Ein Baby im Traum weckt Fragen, sobald du die Augen öffnest – erst recht, wenn in deinem wachen Leben gerade gar kein Baby vorkommt. Doch die Traumbücher haben dieses Bild fast nie wörtlich genommen. Ein Baby war für sie selten ein Kind – und fast immer ein Anfang.

Was die alten Traumbücher sagen

Die alten Traumbücher lasen das Baby als Neubeginn: ein Vorhaben, eine Nachricht, eine Ankunft. Der Zustand des Kindes trug die Lesart – ein gesundes, ruhiges Kind versprach gutes Wachsen, ein weinendes stand für kleine Sorgen, die sich vermehren. Wörtlich war das Bild für die Bücher fast nie gemeint: Ein Baby war etwas Junges, das Pflege brauchen würde. Die Bücher lasen also weniger das Kind als seinen Zustand – und fragten, wie es dem Neuen erging, das da angekommen war.

Die islamische Traumdeutung in der Ibn-Sirin-Tradition liest ähnlich, setzt aber einen eigenen Akzent: Der Säugling galt als neue Versorgung, neue Sorge oder beides zugleich – ein Segen, der bindet. Ein Kind auf dem Arm zu tragen hieß, eine Verantwortung zu übernehmen; ein weinendes Kind, dass eine Sache im Haushalt nach Fürsorge ruft.

Was Psychologen beobachten

Psychologen lesen das Traumbaby als etwas Neues und Verletzliches in deiner Obhut: ein Projekt, eine Beziehung, eine Version deiner selbst, die gerade erst beginnt. Auffällig ist, wie häufig die ängstlichen Varianten sind – das Baby verlieren, vergessen, fallen lassen. Sie begleiten in aller Regel die Sorge um Verantwortung, nicht ein Versagen als Mutter oder Vater. Auch wer sich nie Kinder gewünscht hat, träumt von Babys – oft in Wochen, in denen ein Vorhaben oder eine Entscheidung geboren werden will. Die Frage dahinter richtet sich ans wache Leben: Was ist dir gerade anvertraut, und traust du dir zu, es zu halten?

Eine Frage, bei der es sich zu bleiben lohnt

Was in deinem Leben ist gerade jung – ein Plan, eine Beziehung, ein Neuanfang – und bekommt es die Pflege, die es braucht?

Traumdeutung Geburt

Die Geburt hat in den Traumbüchern einen eigenen Eintrag, und er ist freundlicher, als viele erwarten. Sie stand für Ankunft: das Ende einer langen Vorbereitung, ein Vorhaben, das fertig wird, eine Sache, die sich nicht länger privat halten lässt. Eine leichte Geburt las sich als gutes Gelingen, eine schwere als hart errungenes Ergebnis. Die Ibn-Sirin-Tradition liest die Geburt als Erleichterung: Eine schwere Sache erreicht ihr Ende, etwas Neues tritt an ihre Stelle. Psychologen hören darin die Ankunft nach langem Reifen – und achten auf die Wehen, denn schwere Traumgeburten begleiten oft schwere Übergänge im Wachen. Träumen können sie übrigens alle, unabhängig vom Geschlecht. Was noch im Werden ist, gehört dagegen auf die Nachbarseite: Traumdeutung Schwangerschaft.

Ein weinendes Baby im Traum

Für die alten Bücher: kleine Sorgen, die sich vermehren, wenn niemand nach ihnen sieht. Für die Ibn-Sirin-Tradition: eine Sache im Haushalt, die nach Fürsorge ruft. Beide Lesarten zeigen in dieselbe Richtung, und die nüchterne Frage danach lautet: Was in deinem Alltag meldet sich gerade leise – und wird immer wieder vertröstet? Träume wie dieser sind selten dramatisch, aber erstaunlich hartnäckig, solange die kleine Sorge unbeachtet bleibt.

Das Baby verlieren oder vergessen

Der Angsttraum unter den Babyträumen – und einer der verbreitetsten überhaupt. Psychologen beruhigen hier ausdrücklich: Diese Träume verfolgen die Sorge um Verantwortung, nicht deine Eignung als Elternteil. Sie häufen sich, wenn viele Verpflichtungen gleichzeitig an dir ziehen und irgendwo die Angst sitzt, eine davon fallen zu lassen. Wenn gerade vieles an dir hängt, träumst du vermutlich genau das.


Ob dein Traumbaby ein Kind meint, ein Vorhaben oder einen Neuanfang, steht in keinem Lexikon – es steht in deinen Nächten davor und danach, in dem, was wiederkehrt und was verschwindet. Dreamlock sammelt deine Träume und liest sie im Zusammenhang; die App erscheint bald fürs iPhone.