Von einer Schwangerschaft zu träumen verunsichert viele, besonders dann, wenn im wachen Leben gar keine ansteht. Dabei handelt dieser Traum schon bei Artemidor selten vom Kinderkriegen allein, sondern von der Lage des Menschen, der ihn träumt, und von etwas, das wächst.

Traumbild Was die alten Bücher lasen Quelle
Selbst schwanger sein „Ungelegenheiten“; bei Artemidor dem Armen Güter, dem Reichen Sorgen Egyptisches Traumbuch / Artemidor
Milch in der Brust Der jungen Frau Empfängnis und glückliche Geburt, dem Kinderlosen Kinder Artemidor
Ein Kind gebären „Kindersegen“ (Egyptisches Traumbuch); Verborgenes kommt ans Licht (Artemidor) Egyptisches Traumbuch / Artemidor
Ein Tier gebären Ein Adler: ein Sohn, dessen Rang vom Stand der Familie abhängt Artemidor
Eine andere Schwangere „Hoffnung auf Besserung Deiner Lage“ Egyptisches Traumbuch

Wie deuteten Artemidor und das Egyptische Traumbuch Schwangerschaftsträume?

Artemidor von Daldis schrieb sein Traumbuch im 2. Jahrhundert; auf Deutsch liegt es seit 1881 in der Übersetzung von Friedrich S. Krauss vor. Er las diesen Traum ganz konsequent nach der Person: „Ein unbemittelter Mann, der sich selbst im Traume schwanger schaut, wird viele Güter erwerben, Geld im Ueberflusse haben“. Dem Reichen dagegen deutete er dasselbe Bild als Prüfungen und Sorgen, dem Ledigen als eine liebende Frau. Dasselbe Zeichen, für verschiedene Träumende Verschiedenes: Das ist Artemidors Grundsatz, und hier sieht man ihn in Reinform.

Das Egyptische Traumbuch von 1870, erschienen unter dem Namen des Mönchs Aegydius Lebrecht, kennt solche Unterscheidungen nicht. Es sagt kurz: „Schwanger sein: Ungelegenheiten.“ Freundlicher wird es erst bei anderen Menschen: Eine Schwangere zu sehen las es als Hoffnung, das eigene Gebären als Kindersegen.

Artemidor trennte außerdem streng zwischen Schwangerschaft und Geburt, zwei Bildern, die heute meist in einen Topf geworfen werden. Wer Artemidor und Lebrecht liest, merkt schnell: Entscheidend war nie der Bauch allein, sondern wer träumt und in welchem Stadium der Traum spielt.

Selbst schwanger sein

Das sind Deutungen aus alten Traumbüchern, als Überlieferung wiedergegeben – kein Traum sagt die Zukunft voraus.

Traum schwanger sein: Was bedeutet es, sich selbst schwanger zu sehen?

Sich selbst schwanger sehen — eine runde Laterne leuchtet auf einem Fensterbrett neben einer gefalteten Decke
Sich selbst schwanger sehen

Die meisten erinnern sich an ein Gefühl mehr als an ein Bild: den runden Bauch, das Wissen, dass da etwas ist. Für diese Szene gelten die beiden allgemeinen Einträge oben: Lebrechts knappe „Ungelegenheiten“ und Artemidors Unterscheidung nach arm und reich, ledig und verheiratet. Eine eigene Deutung für die Frau, die sich schwanger träumt, ohne es zu sein, gibt keines der beiden Bücher. Psychologen sprechen von Inkubation: Etwas in dir entwickelt sich, ein Plan, eine Veränderung, ein Selbst, das sich noch formt, und ist noch nicht so weit, gesehen zu werden.

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Was bedeutet es, im Traum ungewollt schwanger zu sein?

Dieser Traum verdient einen sanften Absatz, denn er fühlt sich selten sanft an. Artemidor und das Egyptische Traumbuch kennen die ungewollte Schwangerschaft nicht als eigenes Bild. Meist trägt der Traum das Gefühl, dass etwas Gestalt annimmt, das du dir nicht ausgesucht hast: eine Verantwortung, die dir zugewachsen ist, eine Veränderung, die andere angestoßen haben, eine Erwartung, die sich eingenistet hat. Er berichtet von dieser Ambivalenz, nicht von Ereignissen. Oft lohnt die Frage, wem gegenüber du zuletzt Ja gesagt hast, obwohl etwas in dir Nein meinte. Und wenn Träume wie dieser dich regelmäßig belasten, kannst du mit jemandem darüber sprechen, dem du vertraust.

Was bedeutet es, im Traum Milch in der Brust zu haben?

Milch in der eigenen Brust gehört zu den körperlichsten Traumbildern, und Artemidor las es ausgesprochen günstig: „In den eigenen Brüsten Milch haben, bedeutet einer jungen Frau, dass sie empfangen … und glücklich entbinden wird“. Der armen alten Frau deutete er es als Wohlstand, dem heiratsfähigen Mädchen als Hochzeit, und aus eigener Beobachtung dem Junggesellen als Ehefrau, dem Kinderlosen als Kinder. Modern gelesen geht es oft um die Fähigkeit, zu nähren und zu versorgen, und um die Frage, wer gerade von dir zehrt.

Geburt und andere Schwangere

Was bedeutet es, im Traum ein Kind zu gebären?

Gebären, ein Kind bekommen — eine leere Wiege an einem offenen Fenster im ersten Licht
Gebären, ein Kind bekommen

Die Geburt ist der Moment, in dem das Verborgene sichtbar wird, und genau so las sie Artemidor. Er betonte: „Hinwiederum bedeutet das Gebären und das Ab treiben der Leibesfrucht nicht dasselbe, was die Schwangerschaft“. Die Geburt bringe Verborgenes ans Licht und befreie Arme, Schuldner und Knechte aus ihrer Enge, den Reichen und Angesehenen dagegen schade sie. Das Egyptische Traumbuch von 1870 las die Szene schlicht günstig: „Gebären sehen … selbst: Kindersegen.“ Wer dagegen nur zusah, wie eine andere gebar, machte sich demselben Buch zufolge durch Neugier lächerlich. Psychologisch steht die Traumgeburt oft für einen Abschluss: etwas, das lange gereift ist und nun in die Welt will.

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Was bedeutet es, im Traum ein Tier zu gebären?

Ein Tier zu gebären gehört zu den verstörendsten Schwangerschaftsträumen, und doch hatte Artemidor dafür eine ernsthafte Deutung. „Träumt ein Frauenzimmer einen Adler zu gebären, so wird sie einen Sohn zur Welt bringen“, schrieb er, und dessen Rang hing vom Stand der Familie ab: Soldat oder Anführer in armen Verhältnissen, ein berühmter Mann im Mittelstand, ein Herrscher bei den Reichen. Die Geburt eines Fisches las er weit düsterer. Das Tier war für ihn also ein Bild für das Kind und seine Zukunft. Modern gelesen spiegelt der Traum oft die Sorge, ob das, was du hervorbringst, dir noch ähnlich ist.

Traumdeutung Schwangerschaft: Was, wenn eine andere Person schwanger ist?

Eine andere Person ist schwanger — ein fernes erleuchtetes Fenster mit der Silhouette einer Schwangeren
Eine andere Person ist schwanger

Ist im Traum nicht du selbst schwanger, sondern eine Freundin, die Schwester, eine Fremde, wird das Egyptische Traumbuch von 1870 auffällig freundlich: „Schwangere sehen: Hoffnung auf Besserung Deiner Lage.“ Unter dem Stichwort „Frau“ las es die schwangere Frau zudem als gute Nachricht. Psychologen fragen hier nach der Beziehung: Oft spürt der Traum etwas auf, das sich zwischen dir und dieser Person still entwickelt, Nähe, Distanz, eine Veränderung ohne Namen. Manchmal leiht er sich die andere Person auch nur als Bild und meint doch etwas Eigenes, das du ihr gerade eher zutraust als dir.

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Was bedeutet ein Schwangerschaftstraum aus psychologischer Sicht?

Psychologen sprechen von Inkubation. Die Traum-Schwangerschaft, bei Träumenden jeden Geschlechts, steht in dieser Lesart für ein Potenzial, das sich entwickelt, aber noch nicht fertig ist: ein Plan, eine Veränderung, eine Rolle. Jung sah in Bildern der Geburt und des Kindes oft den Beginn von etwas Neuem in der Persönlichkeit. Angst im Traum spiegelt meist die Ambivalenz gegenüber dem, was kommt; Bilder von Wehen die Nähe der Veränderung.

Auch das Aufwachen gehört zur Beobachtung: Viele beschreiben diese Träume als seltsam ruhig, als hätte der Traum mehr Geduld mit dem Unfertigen als der Tag. Der nützliche Blick geht deshalb nicht auf den Bauch im Traum, sondern auf den Kalender im Leben: Was reift bei dir gerade heran, ein Projekt, ein Umzug, eine Entscheidung, und wie nah ist sein Termin? Darin treffen sich Artemidor und die moderne Deutung: Beide fragen zuerst, wer träumt und was gerade wächst.

Eine Frage, bei der es sich zu bleiben lohnt

Was wächst gerade in dir heran, das noch nicht fertig ist, und bist du eher gespannt darauf oder eher beunruhigt?


So viel zur allgemeinen Bedeutung; wie die Geschichte nach der Geburt weitergeht, erzählt der Traum vom Baby. Dein eigener Traum aber hatte einen bestimmten Bauch, einen bestimmten Termin, ein bestimmtes Gefühl beim Aufwachen. Was in deinem Leben gerade heranwächst und wie oft es nachts wiederkommt, zeigen nur deine eigenen Träume, nebeneinandergelegt und wieder gelesen. Genau dafür ist Dreamlock gebaut: im App Store fürs iPhone.