Man wacht mit nassem Gesicht auf und weiß einen Moment lang nicht, ob es ein schlimmer oder ein guter Traum war. Weinen beunruhigt, weil es nach Kummer aussieht. Dabei drehen ausgerechnet hier Artemidor und das Egyptische Traumbuch das Bild um.

Traumbild Was die alten Bücher lasen Quelle
Andere weinen sehen „Trost durch dieselben erhalten“; ein weinendes Mädchen: Vorsicht vor Überlistung Egyptisches Traumbuch
Kinder schreien oder weinen hören „häuslicher Zwist“ Egyptisches Traumbuch

Was sagen die alten Traumbücher über das Weinen im Traum?

Artemidor von Daldis, auf Deutsch seit 1881 in der Übersetzung von Friedrich S. Krauss, drehte das Bild um: Das Weinen und Klagen um einen Toten oder um sonst jemanden, ja die Trauer selbst, las er als Freude und als Vergnügen an etwas, das gut ausgeht. Seine Begründung ist schön: Die Stimmungen der Seele wechseln wie das Wetter. Nur für eine Trauer ohne rechten Anlass machte er eine Ausnahme; sie las er als wirkliches Leid.

Das Egyptische Traumbuch von 1870, erschienen unter dem Namen des Mönchs Aegydius Lebrecht, folgt derselben Umkehrung, nur knapper: „Weinen: auf Leid folgt Freude.“ Tränen zu vergießen, las es als glückliche Tage nach trüben. Begründungen gibt es dort keine, nur Stichwort und Urteil.

Einig sind sich die beiden Bücher also im Grundsatz, und das ist selten. Unterschiede zeigen sich erst bei den anderen Menschen im Traum: Wer da weint, und wer es hört, verschiebt bei Lebrecht das Urteil.

Wie du im Traum weinst

Das sind Deutungen aus alten Traumbüchern, als Überlieferung wiedergegeben – kein Traum sagt die Zukunft voraus.

Was bedeutet es, wenn im Traum die Tränen frei fließen?

Das ist die Variante, nach der man am ehesten erleichtert aufwacht. Das Egyptische Traumbuch von 1870 las das Vergießen von Tränen als glückliche Tage, die auf trübe folgen; nach der Art der Tränen fragte es nicht. Psychologisch kehrt dieser Traum oft in Zeiten des Abschließens wieder, nach Trennungen, Umzügen, dem Ende eines Abschnitts, wenn viel geschieht und wenig davon gesagt werden kann.

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Was bedeutet es, im Traum heftig oder lautlos zu schluchzen?

Hier geht es nicht um stille Tränen, sondern um ein Weinen, das den ganzen Körper erfasst, oder um ein Schluchzen, das keinen Ton findet. Artemidor und das Egyptische Traumbuch unterscheiden nicht, wie laut oder leise geweint wird. Modern gelesen löst nicht jedes Weinen: Ein Schluchzen, das stecken bleibt, begleitet oft eine Last, die noch keinen Ausgang hat. Wenn Träume dich regelmäßig in diesem Zustand zurücklassen, sprich mit jemandem, dem du vertraust.

Was bedeutet es, im Traum ohne Grund zu weinen?

Im Traum weinst du, und beim Aufwachen kommt der Anlass nicht mit. Einen eigenen Eintrag dafür haben die beiden Bücher dieser Seite nicht; am nächsten kommt ihm Artemidors Ausnahme, die Trauer ohne rechten Anlass, die er als wirkliches Leid las. Die Psychologie sieht es milder: Der Traum ist manchmal der einzige Ort, an dem ein Gefühl vollständig Platz hat, ohne Erklärung und ohne Zeugen. Verwandte Bilder trägt das Stichwort zu Verstorbenen.

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Wenn andere im Traum weinen

Was bedeutet es, jemanden im Traum weinen zu sehen?

Wer im Traum einen anderen Menschen weinen sieht, wacht oft mit Sorge um ihn auf. Das Egyptische Traumbuch von 1870 las die Szene dagegen tröstlich: „Weinen … Andere sehen: Trost durch dieselben erhalten.“ Nur beim weinenden Mädchen schlug das Urteil um, es galt als Mahnung, sich nicht überlisten zu lassen. Modern gelesen zeigt der Traum oft, wem du gerade nahe bist, und wer dir vielleicht mehr zu sagen hätte, als ihr beide aussprecht.

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Was bedeutet ein weinendes Kind im Traum?

Ein weinendes Kind — ein kleines Kind von hinten auf der untersten Treppenstufe, ein Stoffhase im Arm, im Licht einer offenen Tür
Ein weinendes Kind

Ein weinendes Kind im Traum ist schwer zu überhören. Das Egyptische Traumbuch von 1870 verzeichnete die Szene unter „Kinder“ und las sie ungünstig: „schreien hören: häuslicher Zwist.“ Es ist eines der wenigen Tränenbilder, die dieses Buch nicht umdreht. Psychologen hören im weinenden Kind eher etwas Junges in dir selbst, ein Bedürfnis, das nach Aufmerksamkeit ruft, oder die Sorge um ein Kind, das dir anvertraut ist.

Was bedeutet Weinen im Traum aus psychologischer Sicht?

Weinen im Traum trägt oft eine gefühlsmäßige Wahrheit, die die wachen Stunden noch nicht zugelassen haben. Viele Träumende stellen fest, dass die Tränen für eine Trauer, eine Zärtlichkeit oder eine Erleichterung kommen, die im Alltag keinen Raum hatte.

Dieses Weinen ist selten ein Problem, das gelöst werden müsste. Meist ist es die Psyche, die etwas Unabgeschlossenes zu Ende bringt, und viele Menschen wachen danach merkwürdig leichter auf. Hier finden die alten Deutungen und moderne Beobachtung fast reibungslos zusammen: Artemidor sagt, auf die Tränen folgt Freude; die Psychologie sagt, der Traum hat etwas fertiggemacht.

Eine Frage, bei der es sich zu bleiben lohnt

Welchem Gefühl hast du zuletzt keinen Platz gegeben, und wann hättest du es erleben dürfen?


Tränen im Traum sind also selten ein schlechtes Zeichen, eher ein Gefühl, das endlich Platz bekommt. Welches Gefühl es bei dir ist, verrät erst die Reihe: ob die Tränen immer im selben Monat kommen, immer nach Gesprächen mit einer bestimmten Person, immer in derselben Traumküche. Solche Muster zeigen sich nur, wenn deine eigenen Träume gesammelt nebeneinanderliegen. Dafür ist Dreamlock gebaut: im App Store fürs iPhone.