Kaum ein Tier lebt uns so nah und bleibt dabei so fremd. Vielleicht träumen deshalb so viele Menschen von Katzen: einem Wesen, das sich streicheln lässt und doch niemandem gehört. Was die Katze in deinem Traum tut – schnurren, kratzen, dich keines Blickes würdigen – trägt fast die ganze Bedeutung.

Was die alten Traumbücher sagen

Die europäischen Traumbücher begegneten der Katze mit Misstrauen. Sie lasen sie als List in der Nähe, als Schmeichelei mit Krallen: Eine schnurrende Katze galt als schöne Worte, die man wägen sollte, eine kratzende als Streit mit jemandem aus dem engen Kreis. Katzenjunge milderten den Eintrag zu kleinen häuslichen Freuden. Wichtiger als das Aussehen der Katze war den Büchern durchweg ihr Verhalten – eine Regel, die gleich noch nützlich wird. Und Artemidor, dessen Traumbuch aus dem 2. Jahrhundert am Anfang dieser Tradition steht, hätte hinzugefügt: Dasselbe Tier bedeutet nicht für alle dasselbe – ein Richter, ein Seemann und ein Bauer wurden mit demselben Traum drei Mal verschieden gelesen.

Die islamische Traumdeutung in der Ibn-Sirin-Tradition liest die Katze häuslicher: als Wesen am Rand des Haushalts – im besten Fall Wächterin gegen Ungeziefer, im schlechtesten eine kleine Diebin. Eine Katze, die aus dem Haus stiehlt, stand dort für kleine Verluste aus nächster Nähe; eine ruhig dösende Katze für ein Haus, in dem Ordnung herrscht.

Was Psychologen beobachten

Psychologen hören in Katzenträumen vor allem ein Thema: Nähe, die sich nicht befehlen lässt. Katzenträume sammeln sich um Beziehungen, in denen Zuneigung nur zu ihren eigenen Bedingungen kommt – auch um die Beziehung zu den eigenen Bedürfnissen. In der jungianischen Lesart trägt die Katze den Instinkt, der sich nicht dressieren lässt. Auffällig oft sagt eine Katze, die dich ignoriert, mehr über dein waches Leben als eine, die angreift – anders als beim Hund, dem treuen Gegenbild (Traumdeutung Hund), ist bei der Katze gerade die Verweigerung die Botschaft.

Eine Frage, bei der es sich zu bleiben lohnt

Wo in deinem Leben wünschst du dir gerade Nähe, die sich nicht erzwingen lässt – bei einem Menschen oder bei einem Bedürfnis, das du selbst zu lange ignoriert hast?

Schwarze Katze im Traum

Die ehrliche Antwort zuerst: Die Glücks- oder Unglücksfrage der schwarzen Katze gehört zum Aberglauben des Alltags, nicht in die alten Traumbücher – dort zählte, was die Katze tat, nicht ihre Farbe. Wenn deine Traumkatze schwarz war, lohnt sich darum eine andere Frage: Welche Erwartung hast du selbst mitgebracht? Wer die schwarze Katze im Wachen für ein böses Zeichen hält, träumt sie oft mit genau diesem Beigeschmack. Der Traum spiegelt die Erwartung, nicht das Schicksal.

Traumdeutung Katzenbabys

Katzenjunge waren der freundlichste Eintrag im Katzenkapitel der Traumbücher: kleine häusliche Freuden, etwas Junges im Haus. Die moderne Lesart schließt daran an – etwas Neues, Verletzliches ist in deiner Obhut oder möchte es sein. Achte darauf, wie es den Kätzchen im Traum ging: umsorgt, verloren, zu viele? Das ist meist der genauere Hinweis.

Wenn die Katze beißt oder kratzt

Die alten Bücher lasen den Kratzer als Streit mit jemandem, der dir nahesteht – die Schmeichelei, die Krallen zeigt. Psychologen fragen nüchterner: Wo ist zuletzt eine Grenze verletzt worden, deine oder die eines anderen? Bisse und Kratzer im Traum folgen oft auf Wochen, in denen Zuneigung und Kränkung dicht beieinanderlagen. Wer dir einfällt, während du das liest, ist vermutlich die Antwort.


Ein Traumlexikon kann dir sagen, was Katzen im Allgemeinen bedeuten. Es kann nicht sehen, dass deine Katze auf der Fensterbank deiner ersten Wohnung saß – oder dass sie immer dann auftaucht, wenn es in einer bestimmten Freundschaft kühl wird. Diesen Teil können nur deine eigenen Träume beantworten, gesammelt und im Zusammenhang gelesen – genau dafür ist Dreamlock gebaut, bald fürs iPhone verfügbar.