Du wachst auf und bist wütend auf einen Menschen, der nichts getan hat – außer in deinem Traum. Träume vom Fremdgehen gehören zu den quälendsten überhaupt, weil sie sich anfühlen wie ein Beweis. Genau das sind sie nicht, und ausnahmsweise sind sich hier alte Traumbücher und moderne Psychologie einig.
Was die alten Traumbücher sagen
Die alten Traumbücher warnten ausdrücklich davor, diesen Traum für bare Münze zu nehmen. Sie lasen die Untreue des Partners nicht als Beweisstück, sondern als das Gespür der Träumenden für etwas, das sich in der Verbindung verschoben hat oder vorenthalten wird: ein Ungleichgewicht an Aufmerksamkeit oder Vertrauen, das noch nicht ausgesprochen ist. Kehrte der Traum wieder, hielten die Bücher das für ein Zeichen, dass diese stille Unruhe schwerer beiseitezuschieben wird – nicht dafür, dass der Verdacht wahrer geworden wäre. Dahinter steht der Grundsatz, den Artemidor der ganzen Tradition mitgegeben hat: Derselbe Traum wurde für verschiedene Träumende verschieden gelesen – nach den Umständen ihres Lebens, nicht nach dem Lexikoneintrag.
Die islamische Traumdeutung in der Ibn-Sirin-Tradition liest ähnlich besonnen: nicht zwingend als Zeichen wirklichen Betrugs, sondern als verletzte Stelle im Vertrauen – Verborgenes, das ans Licht drängt. Sie ruft dazu auf zu prüfen, was zwischen den Nahestehenden unausgesprochen geblieben ist: Besinnung, nicht Anklage.
Was Psychologen beobachten
Psychologen beobachten, dass diese Träume meist weniger über den Partner sagen als über die Träumenden selbst – über das eigene Gefühl von Wert und Sicherheit und darüber, was gerade brüchig wirkt. Viele erleben sie in Momenten, in denen sich etwas in der Beziehung verschiebt. Andere, wenn ein ganz anderer Bereich des Lebens zu entgleiten scheint und der Traum sich nur das nächstliegende Bild dafür leiht. Der Traum probt die Angst, nicht die Tatsache. Auffällig ist auch, wann diese Träume nachlassen: oft nicht erst, wenn die Beziehung sich beweist, sondern sobald die Träumenden wieder festen Boden unter den eigenen Füßen spüren.
Eine Frage, bei der es sich zu bleiben lohnt
Wo fühlst du dich gerade weniger sicher als noch vor einem Jahr – in eurer Verbindung oder an einer ganz anderen Stelle deines Lebens?
Wenn du selbst im Traum fremdgehst
Auch die umgekehrte Fassung ist häufig – und ebenso wenig ein Geständnis. Es lohnt, im selben Rahmen zu bleiben: Wenn der Traum vom Betrogenwerden ein Gespür für vorenthaltene Aufmerksamkeit ist, stellt der eigene Traum- Seitensprung die Frage, wohin deine Aufmerksamkeit gerade tatsächlich abwandert – zu einer Arbeit, einem Menschen, einer Version deines Lebens, die du dir insgeheim ansiehst. Schuldgefühle beim Aufwachen zeigen dabei meist nur, wie ernst du deine Bindung nimmst. Manche Träumende erleben übrigens beide Fassungen im Wechsel – mal betrogen werden, mal betrügen. Auch das spricht weniger für ein Doppelleben als dafür, dass die Frage nach Nähe und Aufmerksamkeit gerade grundsätzlich offen ist.
Wiederkehrende Träume vom Fremdgehen
Schon die alten Bücher lasen die Wiederkehr als das eigentliche Signal: Die zugrunde liegende Unruhe lässt sich schwerer beiseiteschieben – nicht der Verdacht wird wahrer. Oft verschwinden diese Träume, sobald das Unausgesprochene ausgesprochen ist, und zwar als Gefühl, nicht als Vorwurf: „Mir fehlt etwas“ trägt weiter als „Du verheimlichst etwas“. Wenn Träume dich regelmäßig belasten, ist das etwas, das du mit jemandem besprechen kannst, dem du vertraust. Hilfreich ist auch, festzuhalten, in welchen Wochen der Traum kommt – und was in diesen Wochen sonst gerade los war.
Was dein Traum vom Fremdgehen bedeutet, hängt weniger vom Lexikon ab als von deinen Wochen davor: was sich verschoben hat, was unausgesprochen blieb, wann der Traum wiederkehrt. Genau diese Zusammenhänge sichtbar zu machen ist die Aufgabe von Dreamlock – bald fürs iPhone verfügbar. Und wenn in deinen Nächten eher alte Geschichten auftauchen: Traumdeutung Ex-Partner.
