Es gibt wenige Träume, nach denen Menschen weinend aufwachen und trotzdem sagen, er sei gut gewesen. Die Mutter ist da, tut etwas Alltägliches, manchmal schaut sie nur. Beide Traditionen — sonst schnell mit Warnungen zur Hand — legen hier ihr Misstrauen ab und sprechen ausschließlich warm.
Was die alten Traumbücher sagen
Die alten Bücher lasen die verstorbene Mutter als nährende Führung von jenseits der gewöhnlichen Reichweite. Ihre Umarmung weist auf Trost in einer Zeit der Schwierigkeit. Ihr Weinen warnt, dass die Sorge um etwas Nahes — Familie, Gesundheit, eine Bindung — vernachlässigt wurde. Und ihre Stimme, auch die wortlose, lasen sie als Träger jenes Rates, den der Träumende bereits ahnt, dem er aber noch nicht gefolgt ist. Dieser letzte Satz ist vielleicht der treffendste des ganzen Eintrags.
Die islamische Traumdeutung in der Ibn-Sirin-Tradition liest ihr Erscheinen als Zeichen tiefer geistiger Verbundenheit; wirkt sie wohl und in Frieden, gilt das als Trost und Segen für den Träumenden. Spricht sie, wird auf ihre Worte sorgfältig geachtet. Erscheint sie bedürftig, rät diese Tradition zu Gebet und Almosen für sie — eine Handlungsanweisung, wie sie die westlichen Bücher nicht kennen, und wir geben sie hier als das wieder, was sie ist: die Empfehlung dieser Tradition. Ihre Anwesenheit zählt dort zu den zartesten anerkannten Besuchen überhaupt.
Was Psychologen beobachten
Die verstorbene Mutter erscheint meist dann, wenn Fragen der Zugehörigkeit, des Genährtwerdens oder der ursprünglichen Bindung sich regen. Viele Träumende erleben ihre Anwesenheit als zutiefst tröstlich — und viele als still kompliziert.
Die Psychologie lässt hier beide Wahrheiten gelten, und das ist gut so. Die Mutter im Traum kann die Große Mutter in ihrer großzügigen Gestalt tragen oder in der verschlingenden. So oder so erscheint sie oft, wenn der Träumende gerade übt, was es heißt, gehalten zu werden — oder was es heißt, das Gehaltenwerden loszulassen. Das Zweite ist meist die schwerere Arbeit und kehrt häufiger bei Erwachsenen wieder, die ihre Mutter vor Langem verloren haben und erst jetzt ordnen, was von ihr geblieben ist.
Eine Frage, bei der es sich zu bleiben lohnt
Wonach von dem, was deine Mutter dir gab, suchst du immer noch anderswo?
Die lächelnde Mutter
Die häufigste und mildeste Variante: Es geschieht nichts, sie ist einfach da und ruhig. Beide Traditionen lesen Trost und Segen. Es lohnt sich, diesen Traum nicht zu schnell wegzuerklären — für viele Menschen ist er der einzige Ort, an dem diese Gegenwart noch existiert, und er ist oft mehr wert als jede Deutung. Die Tradition verlangt hier ausnahmsweise nichts. Sie erlaubt, ihn einfach anzunehmen.
Die weinende Mutter
Die schwerere Variante, aber immer noch keine bedrohliche. Die Bücher lesen ihre Tränen als Hinweis, dass etwas Nahes vernachlässigt wurde; die Ibn-Sirin-Lesart rät bei einer bedürftig wirkenden Mutter zu Gebet und Almosen für sie. Beides zeigt in dieselbe Richtung: Der Traum bittet um Zuwendung, nicht um Angst. Er kehrt in Zeiten wieder, in denen der Träumende mit anderem beschäftigt ist als mit dem Wichtigen.
Die Umarmung
Das wärmste Bild dieses Lexikons und einen eigenen Satz wert. Die Bücher lesen darin Trost in einer schwierigen Zeit. Psychologisch erscheint dieser Traum oft in der Trauer, auch in der um Jahre verspäteten, und ist häufig der Moment, in dem sich endlich etwas löst. Verwandte Bilder tragen die Stichworte zu Verstorbenen und zum verstorbenen Vater. Wenn solche Träume dich regelmäßig schwer zurücklassen, sprich mit jemandem, dem du vertraust.
Ein Lexikon kann dir sagen, was der Traum von der verstorbenen Mutter im Allgemeinen bedeutet. Es kann nicht sehen, dass es bei dir immer dieselbe Küche ist oder immer dieselbe Woche im Jahr. Das können nur deine eigenen Träume, gesammelt und nebeneinandergelegt — und genau dafür ist Dreamlock gebaut, bald verfügbar fürs iPhone.
