Jemand, der nicht mehr da ist, sitzt im Traum einfach am Tisch, sagt etwas, tut etwas Alltägliches oder sieht dich nur an. Über solche Träume sprechen Menschen vorsichtig, oft erst Jahre später. Das Egyptische Traumbuch von 1870 las dieses Bild erstaunlich oft freundlich; Artemidor war strenger und fragte genau, was der Tote tat.
| Traumbild | Was die alten Bücher lasen | Quelle |
|---|---|---|
| Mit Verstorbenen sprechen | „Glück und Segen“ | Egyptisches Traumbuch |
| Ein Verstorbener schenkt etwas | Ungünstig, außer bei Nahrung, Silbergeld oder Kleidern | Artemidor |
| Ein Verstorbener nimmt etwas | Bei Kleidern, Geld oder Nahrung das schwerste Vorzeichen des Kapitels | Artemidor |
| Ein Verstorbener lebt wieder | „Wirrsale und Verluste“ (Artemidor); Erfüllung verloren geglaubter Hoffnungen (Egyptisches Traumbuch) | Artemidor / Egyptisches Traumbuch |
| Die verstorbenen Eltern sehen | „unerwartete Freude“ | Egyptisches Traumbuch |
| Ein Verstorbener stirbt noch einmal | „Familientrauer“ | Egyptisches Traumbuch |
| Ein Verstorbener im Sarg | „unerwartete Freude“ | Egyptisches Traumbuch |
| Einen Toten ausgraben | „in große Gefahr kommen“ | Egyptisches Traumbuch |
Was sagen die alten Traumbücher über Träume von Verstorbenen?
Das Egyptische Traumbuch von 1870, erschienen unter dem Namen des Mönchs Aegydius Lebrecht, ist hier auffallend mild: „Verstorbene sehen: großes, glückliches Geschäft.“ Verstorbene Verwandte las es als Hinweis auf eine Erbschaft.
Artemidor von Daldis, dessen Traumbuch aus dem 2. Jahrhundert Friedrich S. Krauss 1881 ins Deutsche übertrug, widmete den Toten ein ganzes Kapitel und ging dabei viel genauer vor. Das bloße Anschauen eines Verstorbenen las er danach, wie dieser zu Lebzeiten zum Träumenden stand: War er gütig gewesen, bedeutete der Traum Gutes und ein angenehmes Geschenk, sonst das Gegenteil. Entscheidend war für ihn außerdem, was der Tote im Traum tat, vor allem, ob er etwas gab oder nahm.
Wo beide Bücher dasselbe Bild deuten, liegen sie oft weit auseinander, am deutlichsten beim Toten, der wieder lebendig wird. Über Umarmungen und Tränen schweigen sie ganz.
Was der Verstorbene im Traum tut
Das sind Deutungen aus alten Traumbüchern, als Überlieferung wiedergegeben – kein Traum sagt die Zukunft voraus.
Was bedeutet es, im Traum mit Verstorbenen zu sprechen?

Ein Gespräch am Küchentisch, als wäre nichts gewesen. Das Egyptische Traumbuch von 1870 las den Umgang mit Toten schlicht günstig: „Todte, mit ihnen verkehren: Glück und Segen.“ Mit verstorbenen Geschwistern zu sprechen, las dasselbe Buch sogar als langes Leben. Psychologisch trägt der Satz, den man im Traum hört, meist etwas, das der Träumende bereits weiß und sich noch nicht gesagt hat: Die Stimme ist geliehen, die Einsicht ist die eigene. Schreib ihn gleich nach dem Aufwachen auf; er verblasst schneller als das Bild.
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Was bedeutet es, wenn ein Verstorbener im Traum etwas schenkt?
Ein Päckchen, ein Schlüssel, ein Brot: Geschenke von Verstorbenen bleiben lange im Gedächtnis. Artemidor war hier vorsichtig: „aber auch wenn sie etwas schenken, sind sie von schlimmer Vorbedeutung, ausgenommen die Geschenke bestünden aus Nahrungsmitteln, Silbergeld oder Kleidern.“ Es kam also ganz auf die Gabe an, und gerade das Alltägliche las er günstig. Modern gelesen ist das Geschenk etwas, das du von diesem Menschen weiterträgst: eine Haltung, einen Satz, eine Fertigkeit.
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Was bedeutet es, wenn ein Verstorbener im Traum etwas mitnimmt?
Die umgekehrte Szene ist unruhiger: Der Verstorbene greift nach etwas und nimmt es mit. Artemidor las das als die schwerste Variante seines Kapitels: „Von unglückseligster Vorbedeutung sind sie aber, wenn sie Kleidungsstücke oder Geld oder Nahrungsmittel entwenden.“ Andere Dinge, die man den Toten ohnehin ins Grab legte, wog er leichter. Modern gelesen spricht der Traum eher vom Verlust selbst, der sich noch einmal meldet: Mit dem Menschen ist auch etwas gegangen, eine Rolle, eine Sicherheit, ein Stück Alltag.
Was bedeutet es, einen Verstorbenen im Traum zu umarmen?

Eine Umarmung, in der man die Wärme noch spürt, wenn man aufwacht, ist für viele ein tröstlicher Traum. Lebrecht und Artemidor kennen diese Szene nicht; ihre Toten sprechen, geben und nehmen, umarmen aber nicht. Psychologen beobachten, dass solche Träume eher später in der Trauer kommen, oft wie ein Abschied, der im Leben nicht möglich war. Viele erleben sie als Geschenk, und es gibt keinen Grund, das Gefühl wegzuerklären.
Wie der Verstorbene erscheint
Was bedeutet es, wenn ein Verstorbener im Traum wieder lebt?
Er steht in der Tür, ganz selbstverständlich lebendig, und im Traum wundert sich niemand. Hier widersprechen sich die beiden Bücher vollständig. Artemidor las die Szene düster: „Wiederauflebende Todte bedeuten Wirrsale und Verluste“, denn kehrten die Toten wirklich zurück, verlangten sie ihr Eigentum. Das Egyptische Traumbuch von 1870 dagegen las es hell: „Todte … wieder aufstehen sehen: Erfüllung verloren geglaubter Hoffnungen.“ Psychologisch zeigt der Traum vor allem, wie lebendig dieser Mensch in dir geblieben ist.
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Was bedeutet es, die verstorbenen Eltern im Traum zu sehen?
Die Mutter in der alten Küche, der Vater im Garten, beide zusammen am Tisch, als wäre nichts gewesen: Träume von den verstorbenen Eltern gehören zu den Träumen, nach denen am häufigsten gefragt wird. Das Egyptische Traumbuch von 1870 hat dafür eine eigene Zeile und liest sie freundlich: „Eltern … verstorbene sehen: unerwartete Freude harrt Deiner.“ Artemidor kennt keinen eigenen Eintrag für tote Eltern; seine Regel für alle Toten hing davon ab, wie sie im Leben zum Träumenden standen. Viele erzählen von solchen Träumen in Zeiten des Übergangs: beim Umzug, vor einer Entscheidung, wenn sie selbst Eltern werden. Mehr dazu auf den Seiten über den verstorbenen Vater und die verstorbene Mutter.
Was bedeutet es, wenn ein Verstorbener im Traum weint oder bekümmert wirkt?
Dieses Bild wiegt schwer. Artemidor und das Egyptische Traumbuch haben keinen Eintrag für weinende oder bekümmerte Tote. Psychologen ordnen solche Träume eher der frühen Trauer zu und lesen sie als Spiegel der Verfassung des Träumenden, nicht der des Verstorbenen: Der Kummer im fremden Gesicht ist oft der eigene. Wenn solche Träume dich regelmäßig schwer zurücklassen, sprich mit jemandem, dem du vertraust.
Wenn der Traum düster wird
Was bedeutet es, wenn ein Verstorbener im Traum noch einmal stirbt?
Den Menschen im Traum ein zweites Mal zu verlieren, ist bitter. Artemidor las das wörtlich: „Todte, die noch ein zweitesmal sterben, verkündigen den Tod von Namensvettern oder Gesinnungsgenossen oder von Blutsanverwandten“, als stürbe derselbe Mensch zweimal. Das Egyptische Traumbuch von 1870 las es milder als „Familientrauer“. Beides sind Deutungen alter Bücher, keine Ankündigung. Heute versteht man den Traum eher als Wiederholung des Verlusts, die die Trauer manchmal braucht, um ihn wirklich zu begreifen.
Was bedeutet ein Verstorbener im Sarg im Traum?
Der offene Sarg, das stille Gesicht, manchmal die Szene der Beerdigung noch einmal. Das Egyptische Traumbuch von 1870 las ausgerechnet dieses Bild günstig: „Todte im Sarge sehen: unerwartete Freude.“ Es passt zur Neigung des Buches, gerade die düsteren Totenbilder ins Helle zu wenden. Psychologisch gehört der Sarg zum Abschied, und wer ihn träumt, ist oft dabei, einen Abschied nachzuholen, der im Wachen zu schnell ging.
Was bedeutet es, im Traum einen Toten auszugraben?
Graben, bis man auf etwas stößt, das begraben bleiben sollte: eine beklemmende Szene. Das Egyptische Traumbuch von 1870 las sie ungünstig: „Todte … ausgraben: in große Gefahr kommen.“ Artemidor dagegen berichtet von einem Mann, der träumte, seine tote Tochter auszugraben, und der danach ein Darlehen zurückzahlte. Psychologisch liegt das Bild nahe am Erinnern: Etwas Vergangenes, eine Frage, ein Streit, ein Versäumnis, wird wieder ausgegraben, weil es noch nicht erledigt ist.
Was bedeuten Träume von Verstorbenen aus psychologischer Sicht?
Psychologen behandeln diese Träume mit Respekt. Viele Trauernde beschreiben sie als ungewöhnlich lebendig. Die moderne Sicht der fortbestehenden Bindungen liest sie nicht als Störung, sondern als den Geist, der eine Beziehung in veränderter Form weiterführt. Wer solche Träume hat, verarbeitet also nicht zu wenig, sondern tut genau das, was Trauer tut.
Beobachtet wird außerdem ein Muster, das vielen Trauernden hilft, wenn sie es kennen: Tröstliche Besuche kommen eher später in der Trauer, belastende eher früher. Beides ist gewöhnlich, und das eine wird oft zum anderen.
Eine Frage, bei der es sich zu bleiben lohnt
Was hättest du dieser Person noch gern gesagt, und wem könntest du es stattdessen sagen?
Im Allgemeinen erzählen Träume von Verstorbenen von einer Bindung, die weiterlebt. Was deine Besuche erzählen, steckt in den Einzelheiten: dieselbe Küche, dieselbe Jahreszeit, ein Satz, der wiederkehrt, ein Gesicht, das mit den Jahren weicher wird. Solche Linien sieht man erst, wenn man die Träume aufbewahrt, statt sie am Morgen verblassen zu lassen. Dafür ist Dreamlock gebaut, im App Store fürs iPhone.
