Kaum ein Traum wird so ungern beendet wie dieser. Fliegen im Traum fühlt sich nicht nach Symbol an, sondern nach Können — als hättest du etwas immer schon gewusst und nur vergessen. Viele Menschen zählen ihn zu den wenigen Träumen, denen sie nachtrauern. Entsprechend alt ist die Deutungsgeschichte: Schon das älteste erhaltene Traumbuch nimmt sich den Flug im Detail vor, und kaum ein Traumbild wird über die Traditionen hinweg so freundlich gelesen.

Was die alten Traumbücher sagen

In den alten Traumbüchern gehört das Fliegen zu den günstigsten Zeichen überhaupt: Freiheit, bevorstehende Reisen, das Sich-Erheben über die eigene Lage. Artemidor, im 2. Jahrhundert, las den Flug ungewöhnlich genau — gut für alle, die eine Reise planen, und entscheidend war ihm die Höhe. Wer zu hoch flog, über seine Verhältnisse hinaus, dem galt der Traum als Warnung vor Übermut. Ein ruhiger, niedriger Flug über vertrautem Boden dagegen versprach Leichtigkeit in den eigenen Angelegenheiten.

Die islamische Traumdeutung in der Ibn-Sirin-Tradition liest ganz ähnlich und unterscheidet fein: Fliegen mit Flügeln deutete auf eine Reise; Fliegen in großer Höhe ohne Mittel — oder ohne je zu landen — auf Ehrgeiz über das eigene Maß hinaus oder auf einen Wandel des Standes. Über einen bekannten Ort zu fliegen las die Tradition als Ansehen, das der Träumende dort erlangen wird. Auch hier trugen Leichtigkeit und Richtung des Flugs die Deutung.

Was Psychologen beobachten

Psychologen lesen den Flugtraum als Bild für Souveränität und Loslassen — und legen ihn neben das aktuelle Gefühl von Handlungsfreiheit. Flugträume häufen sich in Zeiten der Zuversicht, aber auch in Zeiten der Sehnsucht nach Ausbruch; die Leichtigkeit des Flugs verrät meist, welche von beiden gerade dran ist. Wer mühsam in der Luft bleibt, mit Armen rudert, immer wieder absackt: Da ist, so die Beobachtung, ein Ehrgeiz dem Rückhalt vorausgeeilt.

Bemerkenswert ist auch, was fehlt. Kaum jemand träumt vom Fliegen als Flucht mit Angst im Nacken — dafür gibt es andere Träume. Der Flugtraum selbst ist fast immer das Gefühl von Spielraum, nicht von Gefahr.

Eine Frage, bei der es sich zu bleiben lohnt

Wo in deinem Leben ist gerade mehr Spielraum, als du dir eingestehst — und wo fliegst du höher, als dich im Moment etwas trägt?

Traumdeutung Fliegen ohne Flügel

Die häufigste Form, und die schönste: kein Gerät, kein Flügel, nur du und die Luft. Die alten Bücher sahen darin Kraft, die niemandem geliehen ist — was dich trägt, gehört dir. Die Ibn-Sirin-Tradition las das Fliegen ohne Mittel als Wandel des eigenen Standes: etwas an deiner Lage ist dabei, sich zu heben. Frag dich, was du gerade zum ersten Mal ohne Hilfe kannst — ein Handwerk, ein Amt, ein Alleinsein, das nicht mehr wehtut. Dieser Traum kommt auffällig oft genau dann, wenn eine solche Fähigkeit still selbstverständlich geworden ist und noch niemand es bemerkt hat, nicht einmal du.

Sehr hoch fliegen

Hier wurden die alten Bücher vorsichtig: Höhe war gut, zu viel Höhe war Übermut — fliegen über die eigenen Mittel hinaus. Die Ibn-Sirin-Tradition kannte dieselbe Vorsicht: Höhe ohne Landung stand für Ehrgeiz über das eigene Maß. Die moderne Lesart hört darin keine Strafe, sondern eine Maßfrage: Wie hoch ist gerade richtig? Wenn der Traum in großer Höhe von Freude in Unbehagen kippt, lohnt der Blick auf ein Vorhaben, das schneller gewachsen ist als sein Fundament — und auf die Frage, wessen Erwartungen es eigentlich so hoch getragen haben.

Fliegen und plötzlich fallen

Der Übergang vom Flug in den Sturz ist ein eigener Traum — und einer der häufigsten. Die alten Bücher lasen ihn als Warnung an den, der zu hoch stieg; Psychologen hören eher den Moment, in dem das Zutrauen aussetzt. Was im Traum unmittelbar vor dem Fallen geschah, ist oft die eigentliche Nachricht. Mehr dazu im Traumbild Fallen.


Was Fliegen im Allgemeinen bedeutet, steht nun hier. Aber ob dein Flugtraum in Prüfungswochen kommt oder immer dann, wenn du eine Entscheidung hinausschiebst — das kann kein Lexikon sehen. Das können nur deine eigenen Träume, gesammelt und befragt. Genau dafür ist Dreamlock gebaut — bald verfügbar fürs iPhone.