Aus diesem Traum wacht man ungern auf. Fliegen im Traum fühlt sich nicht nach Symbol an, sondern nach Können, als hättest du etwas immer schon gewusst und nur vergessen. Viele zählen ihn zu den wenigen Träumen, denen sie morgens nachtrauern.

Traumbild Was die alten Bücher lasen Quelle
Sehr hoch fliegen Ohne Flügel hoch in den Lüften: „Gefahr und Furcht“ Artemidor
Knapp über dem Boden fliegen Niedrig und aufrecht: Glück Artemidor
Zum Himmel aufsteigen Sklaven in vornehmere Häuser; Verborgenes wird entdeckt Artemidor
Mit Flügeln fliegen „Allen imgleichen von guter Vorbedeutung“ Artemidor
Nicht fliegen können „Am allerschlimmsten und unglücklichsten“ Artemidor
Fliegend verfolgt werden Große Ängste und Gefahren Artemidor
Sanft landen Heilsam; am besten, nach Belieben zu fliegen und zu ruhen Artemidor

Wie deuteten Artemidor und das Egyptische Traumbuch das Fliegen?

Artemidor von Daldis schrieb sein Traumbuch im 2. Jahrhundert; auf Deutsch liegt es seit 1881 in der Übersetzung von Friedrich S. Krauss vor. Dem Fliegen widmete er ein eigenes, ausführliches Kapitel. Entscheidend waren ihm drei Dinge: wie hoch man flog, ob mit oder ohne Flügel, und ob man den Flug beherrschte. Niedrig und aufrecht war Glück, denn die Glücklicheren nenne man auch die Höheren. Hoch und flügellos dagegen bedeutete Gefahr. Am schlimmsten war es, fliegen zu wollen und es nicht zu können.

Das Egyptische Traumbuch von 1870, erschienen unter dem Namen des Mönchs Aegydius Lebrecht, ist wie immer knapp: „Fliegen in der Luft: bevorstehende Reise.“ Auch Artemidor kannte diese Lesart, für den Flug in mittlerer Höhe, aus der man die Dinge am Boden noch erkennt.

Das Fliegen ist also in beiden Büchern kein reines Glückszeichen. Es kommt darauf an, wie der Flug sich anfühlte, und darin sind sich alte und moderne Deutung erstaunlich nah.

Wie hoch du fliegst

Das sind Deutungen aus alten Traumbüchern, als Überlieferung wiedergegeben – kein Traum sagt die Zukunft voraus.

Was bedeutet es, im Traum sehr hoch zu fliegen?

Über den Wolken, die Stadt nur noch ein Muster: Der hohe Flug ist berauschend und manchmal beängstigend. Artemidor las ihn, wenn keine Flügel im Spiel waren, ungünstig: „Das Gesicht, dass man unbeflügelt und zwar hoch in den Lüften fliegt … bedeutet dem Träumenden Gefahr und Furcht“. Um Dächer, Häuser und Stadtviertel herumzufliegen las er als Unruhe und Verwirrung der Seele. Die moderne Lesart hört darin eine Maßfrage: Wenn der Traum in großer Höhe von Freude in Unbehagen kippt, lohnt der Blick auf ein Vorhaben, das schneller gewachsen ist als sein Fundament.

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Was bedeutet es, im Traum knapp über dem Boden zu fliegen?

Viele Flugträume sind gar nicht hoch: ein Gleiten knapp über der Straße, über Wiesen, über Treppen hinweg. Artemidor las gerade diesen Flug am günstigsten: „Dem Träumenden bedeutet es Glück, wenn er glaubt, nicht hoch über der Erdoberfläche und in aufrechter Stellung zu fliegen“. Wer über den Gehenden schwebe, stehe auch im Leben über ihnen; in der Fremde sei es noch besser als zu Hause. Modern gelesen ist der niedrige Flug eine Freiheit, die den Kontakt zum Boden nicht verliert.

Was bedeutet es, im Traum zum Himmel aufzusteigen?

Senkrecht hinauf, immer weiter, bis der Himmel sich öffnet: Dieser Traum hat oft etwas Feierliches. Artemidor las ihn nach Stand: „Das Gesicht, dass man gegen den Himmel fliegt, bedeutet immer Sclaven, dass sie in vornehmere Häuser gelangen“, oft an den Königshof. Freie Menschen mussten nach Italien reisen, zum Sitz der Könige, und wer verborgen bleiben wollte, wurde entdeckt. Heute hört man darin eher Sehnsucht nach etwas Größerem, nach Überblick, nach einem Abstand, der alles klein und klar macht.

Wie du fliegst

Fliegen mit oder ohne Flügel: Was bedeutet das im Traum?

Mit Flügeln fliegen — eine kleine Gestalt mit hellen Flügeln gleitet über ein mondhelles Tal
Mit Flügeln fliegen

Die meisten fliegen im Traum ohne Flügel, einfach so; manche spüren Flügel an den Schultern. Artemidor unterschied beides streng. „Beflügelt zu fliegen, ist Allen imgleichen von guter Vorbedeutung“, schrieb er: Sklaven würden frei, weil Vögel keinen Herrn haben, Arme reich, weil Reichtum den Menschen hebt wie Flügel den Vogel. Der flügellose Flug war ihm dagegen nur niedrig ein Glück, hoch eine Gefahr. Modern gelesen fragt der Traum, was dich trägt: etwas Eigenes oder ein Schwung, der dir nur geliehen ist.

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Was bedeutet es, im Traum fliegen zu wollen und es nicht zu können?

Du stößt dich ab, und nichts geschieht; die Arme rudern, der Körper bleibt schwer. Artemidor hielt genau das für den schlimmsten Flugtraum: „Am allerschlimmsten und unglücklichsten aber ist es, fliegen zu wollen und es nicht zu können“, ebenso wie mit dem Kopf zur Erde und den Füßen zum Himmel zu fliegen. Er las darin viele Schläge des Unglücks. Psychologen hören eher Frust: einen Wunsch, der an der eigenen Kraft oder an den Umständen scheitert.

Was bedeutet es, im Traum fliegend verfolgt zu werden?

Fliegen als Flucht: Hinter dir ist etwas, und der Flug ist die einzige Rettung. Artemidor las das ungünstig: „Dagegen ist es nicht gut, wenn man beim Fliegen von einem Thiere oder einem Menschen oder einem Daimon verfolgt wird“, denn es wecke große Ängste. Seine Begründung ist bemerkenswert: Man fliege nur, weil man sich im Schlaf zu sehr fürchte, der Flucht am Boden zu trauen. Moderne Deutung und Artemidor treffen sich hier fast wörtlich, wie beim Traum vom Verfolgtwerden.

Absturz und Landung

Was bedeutet es, im Traum zu fliegen und plötzlich zu fallen?

Beim Fliegen abstürzen — eine kleine Gestalt sinkt durch mondhelle Wolken über einer schlafenden Stadt
Beim Fliegen abstürzen

Der Übergang vom Flug in den Sturz ist ein eigener Traum, und viele kennen ihn. Artemidor und das Egyptische Traumbuch haben für den Absturz aus dem Flug keinen eigenen Eintrag. Psychologen hören darin den Moment, in dem das Zutrauen aussetzt, oft verbunden mit dem bekannten Zucken beim Einschlafen. Was im Traum unmittelbar vor dem Fallen geschah, ist oft die eigentliche Nachricht. Mehr dazu im Traumbild Fallen.

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Was bedeutet es, im Traum nach dem Flug sanft zu landen?

Eine sanfte Landung ist das stille Ende vieler Flugträume. Artemidor las sie als heilsam: Nach ihm „bringt es Heil, wenn man … einem Fluge auf die Erde herabfliegt und so erwacht, doch am heilsamsten, wenn man nach Belieben fliegt“, also fliegt und ruht, wie man will. Das bedeutete ihm große Leichtigkeit in den eigenen Angelegenheiten. Modern gelesen zeigt die Landung, dass Freiheit und Halt sich nicht ausschließen.

Was bedeutet ein Flugtraum aus psychologischer Sicht?

Psychologen lesen den Flugtraum als Bild für Souveränität und Loslassen und legen ihn neben das aktuelle Gefühl von Handlungsfreiheit. Flugträume häufen sich in Zeiten der Zuversicht, aber auch in Zeiten der Sehnsucht nach Ausbruch; die Leichtigkeit des Flugs verrät meist, welche von beiden gerade dran ist. Wer mühsam in der Luft bleibt, mit Armen rudert, immer wieder absackt, bei dem ist oft ein Ehrgeiz dem Rückhalt vorausgeeilt.

Freud brachte das Fliegen mit Kindheitserinnerungen an Schaukeln und Hochgeworfenwerden in Verbindung. Bemerkenswert ist, wie nah Artemidor der modernen Deutung kommt: Auch ihm ging es weniger ums Fliegen als um die Kontrolle darüber, um Höhe, Halt und die Frage, ob man landen kann, wann man will.

Eine Frage, bei der es sich zu bleiben lohnt

Wo in deinem Leben ist gerade mehr Spielraum, als du dir eingestehst, und wo fliegst du höher, als dich im Moment etwas trägt?


Höhe, Halt, Kontrolle: Das ist die allgemeine Grammatik des Flugtraums. Dein Flug hat eine eigene. Vielleicht hebst du immer über demselben Schulhof ab, vielleicht nur in Wochen, in denen du eine Entscheidung vor dir herschiebst, vielleicht sackst du jedes Mal an derselben Stelle ab. Das sieht man erst, wenn viele Flugträume beisammen sind und man sie wieder lesen kann. Dafür ist Dreamlock gebaut, im App Store fürs iPhone.