Man wacht auf und ist erschrocken, nicht über das Opfer, sondern über sich selbst. Kaum ein Traum hinterlässt so viel Scham wie der, in dem man getötet hat, und gerade deshalb lohnt der nüchterne Blick: Die alten Traumbücher lasen ihn als Bild für Feindschaft und Konflikt, nie als Geständnis.
| Traumbild | Was die alten Bücher lasen | Quelle |
|---|---|---|
| Ein Tier töten | eine Kröte: Widersacher besiegen; Vögel: großer Schaden | Egyptisches Traumbuch |
| In Notwehr töten | Wegelagerer töten als Bild für das Entrinnen aus einer Furcht | Artemidor |
| Einen Mord begehen | Zeichen von Feindschaft; Torheiten im Zorn | Artemidor / Egyptisches Traumbuch |
| Jemanden erstechen | von Feinden verfolgt werden | Egyptisches Traumbuch |
| Einen Mord beobachten | durch das Unglück anderer Glück haben | Egyptisches Traumbuch |
| Getötet werden | Folgen durch das Zutun des Täters; erstochen werden: langes Leben | Artemidor / Egyptisches Traumbuch |
Wie deuten die alten Traumbücher das Töten?
Artemidor von Daldis schrieb sein Traumbuch im 2. Jahrhundert; auf Deutsch liegt es seit 1881 in der Übersetzung von Friedrich S. Krauss vor. Ein eigenes Kapitel über das Töten hat er nicht, aber er kommt mehrfach darauf zurück, und seine Regel ist einfach: Im Traum verrät das Töten, wer dir feindlich gesinnt ist. Er begründet das mit einem Satz, der sich leicht merken lässt: „denn es wird wohl Niemand seinen Freund, sondern nur seinen Feind tödten wollen.“ Außerdem zählte für ihn, von wem eine Handlung im Traum ausging.
Das Egyptische Traumbuch von 1870, erschienen unter dem Namen des Mönchs Aegydius Lebrecht, ist knapper und überraschend oft milde. Den Mord, den man selbst begeht, las es als Torheit im Zorn, den beobachteten Mord als Glück durch das Unglück anderer, das eigene Erstochenwerden als langes Leben.
Beide Bücher lesen das Töten also als Spiegel von Beziehungen und Gefühlen. Wörtlich nimmt es keines.
Wen oder was du im Traum getötet hast
Das sind Deutungen aus alten Traumbüchern, als Überlieferung wiedergegeben – kein Traum sagt die Zukunft voraus.
Was bedeutet es, im Traum einen Fremden zu töten?
Das Opfer hat kein Gesicht, das du kennst, und trotzdem ist der Traum erschütternd. Artemidor und das Egyptische Traumbuch unterscheiden nicht, ob das Opfer fremd oder bekannt ist, deshalb gibt es hier keine alte Deutung. Modern gelesen steht der Fremde oft für einen Teil von dir, den du nicht als deinen erkennst: eine Eigenschaft, eine Rolle, eine Gewohnheit, die du loswerden willst. Der Traum beendet sie mit drastischen Mitteln, weil das Wachleben dafür noch keine Worte hat.
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Was bedeutet es, im Traum ein Familienmitglied zu töten?
Wenn es die Mutter, der Bruder oder das eigene Kind ist, wird der Traum zur Qual. Die alten Bücher, die wir zitieren, haben für diese Szene keinen Eintrag. Psychologisch gehört sie zu den häufigen und harmlosen Tötungsträumen: Nähe erzeugt auch Ärger, und der Traum spricht aus, was man einem geliebten Menschen nie sagen würde. Oft geht es um Ablösung, darum, eine alte Rolle in der Familie hinter sich zu lassen, und nicht um den Menschen selbst.
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Was bedeutet es, im Traum ein Tier zu töten?
Ob Schlange, Ratte oder Vogel, beim Tier hängt im Traum alles von der Art ab. Das Egyptische Traumbuch von 1870 las das Töten einer Kröte als Sieg über deine Widersacher, das Töten von Vögeln dagegen als großen Schaden. Dasselbe Buch las das Töten einer Schlange günstig, das steht beim Traum von der Schlange. Modern gelesen fragt der Traum, wofür das Tier stand: eine Bedrohung, die du abwehrst, oder etwas Leichtes, das du zerstörst.
Mord, Notwehr und das Opfer sein
Was bedeutet es, im Traum in Notwehr zu töten?

Jemand greift dich an, du schlägst zurück, und beim Aufwachen bleibt eher Erleichterung als Schuld. Artemidor beobachtete, dass ein Träumender, der sich vor jemandem fürchtet, oft nicht diesen Menschen sieht, sondern träumt, er entrinne einem wilden Tier, sprenge Fesseln oder „tödte Wegelagerer“. Das Töten ist für ihn also ein Bild des Entrinnens aus einer Furcht. Modern gelesen zeigt der Traum, dass du dich wehren kannst, auch wenn du es im Wachleben noch nicht tust.
Was bedeutet es, im Traum einen Mord zu begehen?
Die Tat ist geschehen, und der Traum kreist um das Verstecken, die Angst, die Schuld. Artemidor erzählt von Herakleides aus Thyateira, der vor einem Wettstreit in Rom träumte, er schlachte Zuschauer und Preisrichter ab, und durchfiel: Das Publikum war ihm feind. Das Egyptische Traumbuch von 1870 las den selbst begangenen Mord als Torheiten im Zorn. Psychologisch steht der Mord oft für eine Wut, die du dir verbietest, oder für ein Ende, das du herbeiwünschst.
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Was bedeutet es, im Traum jemanden zu erstechen?
Das Messer bringt eine erschreckende Nähe in den Traum, weil man dafür dicht an den anderen heran muss. Das Egyptische Traumbuch von 1870 las es ungünstig: Wer jemanden ersticht, werde von Feinden verfolgt. Artemidor kennt keinen eigenen Eintrag für das Erstechen eines anderen. Modern gelesen geht es weniger um Gewalt als um Kränkung durch einen Menschen, der dir nahe steht.
Was bedeutet es, im Traum einen Mord zu beobachten?

Du stehst daneben, kannst nichts tun und wachst mit dem Gefühl auf, versagt zu haben. Das Egyptische Traumbuch von 1870 las den beobachteten Mord überraschend günstig: als Glück, das dir durch das Unglück anderer zufällt. Das Erstechen eines anderen nur zu sehen las dasselbe Buch dagegen als trübe Aussichten. Psychologisch zeigt die Zeugenrolle häufig Ohnmacht: einen Konflikt um dich herum, in den du nicht eingreifen kannst oder willst.
Was bedeutet es, im Traum getötet zu werden?
Im Traum stirbt man selten wirklich; meist bricht er im letzten Moment ab. Artemidor las das Getötetwerden wie das Sterben im Traum, nur dass sich dessen Bedeutung über den Täter erfüllen sollte: „Mörder sind keine Freunde der Getödteten“, schrieb er über einen Sklaven, den ein Mitsklave im Traum umbrachte. Das Egyptische Traumbuch von 1870 las das eigene Erstochenwerden sogar als langes Leben. Modern gelesen fühlst du dich von jemandem bedrängt.
Was bedeuten Tötungsträume aus psychologischer Sicht?
Freud sah in Träumen erfüllte Wünsche, auch solche, die man sich nie eingestehen würde. Der Traum vom Töten wäre in diesem Sinn kein Plan, sondern eine Wut, die nachts ausgesprochen wird, damit sie tagsüber nicht ausbricht. Jung las das Töten im Traum eher symbolisch: Etwas in dir muss sterben, damit etwas anderes wachsen kann, und das Opfer verkörpert oft eine Seite von dir selbst.
Die heutige Traumforschung ergänzt eine beruhigende Beobachtung: Gewalt in Träumen ist häufig und sagt nichts darüber aus, ob jemand gewalttätig ist. Eher zeigen solche Träume, wie viel Druck sich angesammelt hat. Artemidor kam dem erstaunlich nahe. Auch für ihn verriet der Traum vom Töten eine Feindschaft, also eine Beziehung, keine Tat.
Eine Frage, bei der es sich zu bleiben lohnt
Wem gegenüber hast du in letzter Zeit eine Wut gespürt, die du nicht zeigen durftest?
Feindschaft, Wut, Abschied: Das ist die allgemeine Bedeutung dieser Träume. Ob das Opfer in deinen Nächten immer dieselbe Gestalt trägt, ob der Traum vor schwierigen Gesprächen wiederkommt oder danach endlich verschwindet, sieht man erst, wenn man die eigenen Träume über Wochen aufschreibt und vergleicht. Dafür ist Dreamlock gemacht: im App Store fürs iPhone.
