Fische träumt man selten allein: Meist ist da Wasser, und meist geht es darum, ob man etwas zu fassen bekommt. Gerade bei diesem freundlich wirkenden Bild gehen Artemidor und das Egyptische Traumbuch überraschend weit auseinander.
| Traumbild | Was die alten Bücher lasen | Quelle |
|---|---|---|
| Fische fangen | Viele große Fische: „gut und gewinnbringend“ (Artemidor); Angeln oder Netz: „Unwohlsein“ (Egyptisches Traumbuch) | Artemidor / Egyptisches Traumbuch |
| Fisch essen | Glück in der Lotterie | Egyptisches Traumbuch |
| Kleine Fische | Verdruss und keinerlei Gewinn | Artemidor |
| Tote Fische | „fehlgeschlagene Hoffnungen“ | Artemidor |
Wie deuten die alten Traumbücher den Fisch?
Artemidor von Daldis, dessen Traumbuch aus dem 2. Jahrhundert Friedrich S. Krauss 1881 ins Deutsche übertrug, las Fische nach Menge, Größe, Farbe und Zustand, und er fragte wie immer, wer träumt. Ein reicher Fang war für fast jeden gut, nur nicht für Leute in sitzenden Berufen und für Redner, denn der Fisch ist stumm. Tote Fische und kleine Fische las er ungünstig.
Das Egyptische Traumbuch von 1870, erschienen unter dem Namen des Mönchs Aegydius Lebrecht, ist knapper und oft anderer Meinung. Fische im Wasser las es als Störung der eigenen Pläne durch einen Zufall, einen Bach voller Fische als unerwarteten Reichtum. Und ausgerechnet das Fangen, bei Artemidor das beste Fischbild, galt dort als Unwohlsein.
Vom entwischenden und vom verdorbenen Fisch sprechen beide nicht.
Was du mit Fischen tust
Das sind Deutungen aus alten Traumbüchern, als Überlieferung wiedergegeben – kein Traum sagt die Zukunft voraus.
Was bedeutet es, im Traum Fische zu fangen?

Der volle Kescher, der zappelnde Fisch an der Leine: Die Szene fühlt sich meist nach Erfolg an. Artemidor sah es genauso: „Viele und obendrein grosse Fische zu fangen ist für Jedermann gut und gewinnbringend“, außer für Menschen in sitzenden Berufen und für Sophisten, denen der stumme Fisch Müßiggang oder leere Hörsäle bedeutete. Das Egyptische Traumbuch von 1870 las dieselbe Szene ganz anders: „Fische … angeln oder im Netz fangen: Unwohlsein.“ Psychologisch entspricht der gefangene Fisch oft einer gelandeten Einsicht, einem Gedanken, den man endlich zu fassen bekommt.
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Was bedeutet es, wenn dir im Traum der Fisch entwischt?
Man hatte ihn schon in der Hand, und dann nicht mehr. Artemidor und Lebrecht kennen den entwischenden Fisch nicht; sie sprechen nur vom Fangen. Psychologen lesen das Bild als den Gedanken, der einem entgleitet: etwas fast Verstandenes, eine Gelegenheit, die knapp vorbeiging. Es lohnt sich zu notieren, wie nah du dran warst. Der Traum unterscheidet fein zwischen dem, was nie erreichbar war, und dem, was schon in der Hand lag.
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Was bedeutet es, im Traum Fisch zu essen?
Ein Teller mit Fisch ist ein friedliches Bild. Das Egyptische Traumbuch von 1870 las es als Glück, und zwar sehr konkret: „Fische … essen: zielt auf Glück in der Lotterie.“ Fisch zu kaufen, bedeutete in demselben Buch eine Veränderung der eigenen Verhältnisse. Das ist die Deutung eines Volkstraumbuchs, kein Rat. Modern gelesen steht das Essen eher für das Aufnehmen: Du nimmst etwas an, das aus der Tiefe kam, eine Idee, ein Gefühl, eine Erfahrung.
Wie die Fische aussehen
Was bedeutet ein Traum von kleinen Fischen?
Ein Eimer voller winziger Fische ist ein zwiespältiger Fang. Artemidor setzte ihn deutlich gegen den großen: „Der Fang von kleinen Fischen dagegen“ bedeute Verdruss und keineswegs Gewinn. Heute liest man kleine Fische oft als viele kleine Aufgaben oder bescheidene Erfolge, die sich mühsam anfühlen, aber sich summieren.
Was bedeutet ein Traum von einem toten Fisch?
Ein toter Fisch auf nassen Steinen hat etwas Stilles und Trauriges. Artemidor las ihn ungünstig: „Todte Fische auf dem Meere zu finden, ist nicht gut; denn sie bedeuten fehlgeschlagene Hoffnungen“; lebende Fische zu fangen, sei besser. Der tote Fisch stand für ihn für etwas, das sein Element verlassen hat und nicht mehr leben kann. Modern gelesen passt das erstaunlich gut: eine Idee oder Hoffnung, die du aus ihrem Zusammenhang gerissen hast und die dort nicht überlebt.
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Was bedeutet verdorbener Fisch im Traum?
Der Geruch weckt manche Träumende fast auf. Einen Eintrag für verdorbenen Fisch haben Artemidor und das Egyptische Traumbuch nicht. Psychologisch liegt die Deutung nahe: etwas, das zu lange lag, ein Gewinn, der nicht hält, ein Verdacht, der schon da war. Wer diesen Traum in einer Zeit hat, in der etwas zu gut aussieht, findet darin keine Warnung vor dem Schicksal, sondern eine Notiz über das eigene Bauchgefühl.
Was bedeutet ein Fischtraum aus psychologischer Sicht?
Fische gelten Psychologen als Inhalte, die aus tiefem Wasser auftauchen: Material, das von unterhalb der Wahrnehmung aufsteigt, eine Idee, ein Gefühl, eine Erinnerung, die beinahe greifbar wird. Einen Fisch zu fangen entspricht einer gelandeten Einsicht, einer, der entwischt, dem Gedanken, der einem entgleitet. Schwärme und volle Netze begleiten meist Zeiten tatsächlicher oder erhoffter Fülle. Darin treffen sich Artemidor und die moderne Deutung: Bei beiden ist der reiche Fang etwas Gutes, der tote Fisch eine verlorene Hoffnung.
Eine Frage, bei der es sich zu bleiben lohnt
Welcher Gedanke ist dir zuletzt fast gekommen, und was hat ihn verscheucht?
Ein Lexikon kann dir sagen, was ein Fisch im Traum im Allgemeinen bedeutet. Es kann nicht sehen, dass dein Wasser immer dasselbe ist oder dass du nie fängst, was du siehst. Das können nur deine eigenen Träume, gesammelt und nebeneinandergelegt, und genau dafür ist Dreamlock gebaut: im App Store fürs iPhone.
