Fische träumt man selten allein — meist ist da Wasser, und meist geht es darum, ob man etwas zu fassen bekommt. Es ist eines der freundlichsten Stichworte der ganzen Traumdeutung, und ausnahmsweise sind sich hier alle Traditionen einig, bis hinunter in die Feinheiten.

Was die alten Traumbücher sagen

Fülle aus tiefem Wasser — so lässt sich dieses Stichwort am kürzesten fassen. Fische zu fangen bedeutete Gewinn und Glück, heraufgezogen durch eigene Mühe. Viele Fische standen für Überfluss. Ein Fisch, der entwischt, für eine verpasste Gelegenheit. Toter oder verdorbener Fisch kehrte den Eintrag zur Enttäuschung. Bemerkenswert ist, dass die Volksbücher den Zustand des Wassers stets neben dem Fang mitlasen: Klares Wasser und ein guter Fang sagten etwas anderes als ein guter Fang aus trübem Wasser.

Die islamische Traumdeutung in der Ibn-Sirin-Tradition zählt dieses Stichwort zu ihren großzügigsten und stuft es besonders fein ab. Fische gelten dort als Versorgung und Wohlstand, geschöpft aus dem Meer der Welt. Frischer Fisch steht für rechtmäßigen Gewinn — eine moralische Unterscheidung, die den westlichen Büchern fehlt. Ein großer Fisch bedeutet beträchtliche Versorgung, viele Fische Überfluss. Verdorbener Fisch kehrt auch hier die Deutung: Gewinn, der nicht hält. Diese Tradition liebte das Symbol sichtlich und arbeitete es sorgfältiger aus als fast jedes andere.

Was Psychologen beobachten

Inhalte, die aus tiefem Wasser auftauchen — das klassische Bild für Material, das von unterhalb der Wahrnehmung aufsteigt: eine Idee, ein Gefühl, eine Erinnerung, die beinahe greifbar wird. Einen Fisch zu fangen entspricht einer gelandeten Einsicht; einer, der entwischt, dem Gedanken, der einem entgleitet.

Die Überfluss-Lesarten — Schwärme, volle Netze — begleiten meist Zeiten tatsächlicher oder erhoffter Fülle. Interessant ist, wie gut sich das mit der alten Deutung verträgt: Beide sprechen davon, dass etwas Wertvolles unten liegt und heraufgeholt werden muss. Die Mühe ist in beiden Traditionen Teil der Bedeutung, nicht ihr Hindernis.

Eine Frage, bei der es sich zu bleiben lohnt

Welcher Gedanke ist dir zuletzt fast gekommen — und was hat ihn verscheucht?

Fische fangen

Die hellste Variante, und alle Traditionen lesen sie freundlich: Gewinn durch eigene Anstrengung, rechtmäßige Versorgung, eine gelandete Einsicht. Es lohnt sich, den Unterschied zu bemerken, den die Ibn-Sirin-Lesart einführt — sie fragt nicht nur, ob etwas gewonnen wurde, sondern wie. Psychologisch kommt dieser Traum oft in Wochen, in denen jemand endlich etwas verstanden hat, das lange unter der Oberfläche lag.

Der Fisch, der entwischt

Die frustrierendste Variante und eine der genauesten. Die Bücher lesen eine verpasste Gelegenheit, die Psychologie den Gedanken, der einem entgleitet. Beide sind hier gleich brauchbar, weil das Bild so präzise ist: Man hatte ihn, und dann nicht mehr. Es lohnt sich zu notieren, wie nah man dran war — dieser Traum unterscheidet fein zwischen dem, was nie erreichbar war, und dem, was schon in der Hand lag.

Verdorbener Fisch

Die einzige dunkle Lesart dieses Stichworts, und beide Traditionen stimmen überein: Enttäuschung, Gewinn, der nicht hält. Das ist bemerkenswert konkret für eine Tradition, die sonst gern im Ungefähren bleibt. Wer diesen Traum in einer Zeit hat, in der etwas zu gut aussieht, findet hier keine Warnung vor dem Schicksal, sondern eine Notiz über den eigenen Verdacht — der meist schon da war. Verwandte Bilder trägt das Stichwort zum Meer.


Ein Lexikon kann dir sagen, was ein Fisch im Traum im Allgemeinen bedeutet. Es kann nicht sehen, dass dein Wasser immer dasselbe ist oder dass du nie fängst, was du siehst. Das können nur deine eigenen Träume, gesammelt und nebeneinandergelegt — und genau dafür ist Dreamlock gebaut, bald verfügbar fürs iPhone.