Erst ist es nur eine falsche Abzweigung, dann sieht jede Straße gleich aus, und irgendwann weißt du nicht mehr, wo du hergekommen bist. Sich im Traum zu verlaufen gehört zu den häufigsten Träumen überhaupt, und die Unruhe danach hält oft bis zum Frühstück an.

Traumbild Was die alten Bücher lasen Quelle
Im Wald verirrt Wälder und Schluchten: Verstimmung, Befürchtung, Unruhe Artemidor
Den Weg wiederfinden besser, den Weg hindurch zu finden und in die Ebene hinabzusteigen Artemidor

Was sagen die alten Traumbücher zum Verirren?

Ein eigenes Kapitel über das Verirren hat keines der beiden deutschen Bücher, die wir zitieren. Das Egyptische Traumbuch von 1870, erschienen unter dem Namen des Mönchs Aegydius Lebrecht, hat zwar Einträge für Wege, aber keinen für den Traum, sich zu verirren.

Artemidor von Daldis, dessen Traumbuch aus dem 2. Jahrhundert seit 1881 in der Übersetzung von Friedrich S. Krauss vorliegt, kommt dem Traum aber erstaunlich nahe. In seinem Kapitel über Landschaften las er Berge, waldige Schluchten, Täler und Wälder als Verstimmungen, Befürchtungen, Unruhen und Geschäftslosigkeit für alle. Dann folgt ein Satz, der wie für Verirrte geschrieben ist: „Immer aber ist es besser, durch solche Gegenden … und wenn man sich in ihnen befindet, nicht zu erwachen.“ Artemidor las also nicht den Wald selbst als entscheidend, sondern ob man wieder herausfindet.

Für die Stadt, das Labyrinth, den Schnee oder das verlorene Gegenüber haben die alten Bücher keine Zeile. Dort geben wir die moderne Lesart.

Wo du dich im Traum verlaufen hast

Das sind Deutungen aus alten Traumbüchern, als Überlieferung wiedergegeben – kein Traum sagt die Zukunft voraus.

Was bedeutet es, sich im Traum im Wald zu verirren?

Die Bäume stehen dichter, der Pfad verliert sich im Farn, und es wird früher dunkel, als es sollte. Der Wald ist der klassische Ort des Verirrens, in Märchen wie in Träumen. Artemidor las Wälder und waldige Schluchten ungünstig, als Verstimmungen, Befürchtungen und Unruhe, für Reiche als Verluste. Zugleich machte er das Ende zum Maßstab: Besser sei es, durch solche Gegenden hindurchzugehen, als mitten darin aufzuwachen. Modern gelesen steht der Wald für eine Lage ohne Überblick, in der du nur den nächsten Schritt siehst. Das ist unangenehm, aber nicht hoffnungslos, und genau so las es schon Artemidor.

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Was bedeutet es, sich im Traum in einer Stadt zu verlaufen?

In der Stadt verirrt im Traum — gleiche, laternenhelle Gassen und eine kleine Gestalt an einer Kreuzung
In der Stadt verirrt

Die Straßen sehen vertraut aus und führen doch nirgendwohin, der Bahnhof ist plötzlich auf der anderen Seite, und niemand versteht deine Frage. Für das Verlaufen in einer Stadt haben Artemidor und das Egyptische Traumbuch keinen Eintrag. Psychologisch gehört der Traum in die Nähe des Zuspätkommens: Er taucht häufig auf, wenn viele Erwartungen gleichzeitig an dir zerren und keine Richtung eindeutig ist. Die Stadt steht dabei für das soziale Leben, für Arbeit, Termine, andere Menschen. Frag dich, welche Adresse du im Traum gesucht hast. Oft ist es ein Ort, an dem du im Wachleben noch nicht ankommen konntest.

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Was bedeutet ein Labyrinth im Traum?

In einem Labyrinth verirrt im Traum — ein mondheller Heckenirrgarten, in einer Sackgasse glimmt eine Laterne
In einem Labyrinth verirrt

Gänge, die sich gleichen, Hecken, über die man nicht hinwegsieht, eine Abzweigung nach der anderen. Das Labyrinth ist eine besondere Art des Verirrens, weil jemand es so gebaut hat. Die alten Bücher, die wir zitieren, haben dafür keine Deutung. In der modernen Lesart steht das Labyrinth für ein Problem, das du von innen nicht überblicken kannst, für eine Entscheidung mit zu vielen Möglichkeiten oder für ein Grübeln, das immer wieder an denselben Punkt zurückkehrt. Manche Deutungen erinnern daran, dass ein Labyrinth eine Mitte hat: Wer weitergeht, kommt irgendwo an.

Was bedeutet es, im Traum den Weg wiederzufinden?

Plötzlich erkennst du eine Ecke wieder, ein Haus, einen Baum, und der Weg liegt wieder vor dir. Artemidor las genau diesen Ausgang günstig: Es sei immer besser, „die Wege, die durch sie führen, aufzufinden“ und aus Wald und Schlucht in die Ebene hinabzusteigen. Der Traum endet in seiner Lesart also nicht mit der Sorge, sondern mit ihrer Überwindung. Modern gelesen ist der wiedergefundene Weg ein Bild für Zuversicht: Du traust dir zu, dich aus einer unübersichtlichen Lage herauszuarbeiten. Wer im Traum nie ankommt, hat oft noch eine Frage offen.

Was bedeutet das Verirren aus psychologischer Sicht?

Im Sinne Freuds liegt es nahe, im Verirren widerstreitende Wünsche zu sehen: Wer zwei Wege zugleich gehen will, findet keinen. Jung verband den dunklen Wald mit dem Unbewussten, mit Gegenden der Seele, die man ohne Karte betritt. Beide Lesarten treffen sich in einer einfachen Beobachtung: Der Traum zeigt eine Orientierungsfrage, keine Gefahr.

Heutige Deutungen achten vor allem auf das Gefühl. Wer sich im Traum verirrt und dabei ruhig bleibt, erlebt oft einen Übergang, der neugierig macht. Wer in Panik gerät, steht meist unter Druck, etwas schnell richtig zu machen. Und wer allein unterwegs ist, nachdem jemand verloren ging, beschäftigt sich häufig mit einer Beziehung. Auch Artemidor fragte zuerst, ob man wieder herausfand, und das ist bis heute die hilfreichste Frage.

Eine Frage, bei der es sich zu bleiben lohnt

Wohin wolltest du im Traum eigentlich, und wohin willst du gerade im Leben?


Unruhe, Übergang, ein Ausweg: Das sind die allgemeinen Lesarten. Ob du dich in deinen Träumen immer im selben Viertel verläufst, ob der Wald jedes Mal dichter wird oder ob du neuerdings den Ausgang findest, erzählt deine eigene Geschichte. Sie zeigt sich erst, wenn deine Träume aufgeschrieben nebeneinanderliegen. Dafür ist Dreamlock gemacht: im App Store fürs iPhone.